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Gija Kantscheli wird am 10. August 75 Jahre alt

Kantscheli

Gija Kantscheli sei zu einer Symbolfigur der Neuen Musik in den postsowjetischen Jahren geworden, schrieb bereits vor vielen Jahren die Süddeutsche Zeitung. Er schaffe eine Musik, die unendlichen Atem schöpfe, sich in tiefe Meditation verfange, schmerzliche Erfahrungen in drückende Träume verarbeite – und trotzdem meilenweit von Kitsch und billigem Sentiment entfernt sei. In besonderer Weise hat der georgische Komponist das Talent, menschliche Grunderfahrungen wie Trauer, Wut, Verlust, Hoffnung und Glauben in seiner Musik zum Ausdruck zu bringen und allein durch die Mittel des Klangs direkte Bezüge zu außermusikalischen Themen herzustellen. Und das auf eine Art, die durch eine Mischung aus tragischer Verstörung und meditativer Grundstimmung das Publikum dorthin lenkt, wo es Kantscheli haben möchte: in eine Stimmung, die Besinnung und Reflexion ermöglicht. Seiner Auffassung nach sind das Wesen und die Aufgabe der Musik Selbstreflexion.

Alfred Schnittke sagte über Kantscheli: „Am meisten überrascht bei ihm die seltene Gabe eines ‚schwebenden’ Zeitempfindens.“ Schon beim ersten Ton löse man sich von der realen, periodisch gegliederten Zeit und erlebe die wie eine Wolke dahingleitende Zeit der Endlosigkeit. In relativ kurzer Dauer von 20 bis 30 Minuten langsamer Musik erlebe man ein ganzes Leben oder eine ganze Geschichte. Aber dabei empfinde man die Stöße der Zeit nicht. Man gleite über Jahrhunderte, wie in einem Flugzeug, ohne Geschwindigkeit zu spüren. Kantscheli schrieb sieben Symphonien und etliche Orchesterwerke, Filmmusik und Kammermusik. Bedeutende Orchester wie das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, das Stuttgarter Kammerorchester, The

Philharmonia London, die London Sinfonietta oder die Sinfonieorchester von Philadelphia und Chicago setzen sich mit seinen Werken auseinander.

Gija Kantscheli wurde am 10. August 1935 im georgischen Tbilissi geboren. Nach einem kurzen Anschnitt des Geologiestudiums beschloss er, sich doch lieber der Musik zu widmen. Von 1959 bis 1963 studierte er am Konservatorium von Tbilissi Komposition bei Iona Tuskija und wurde 1971 musikalischer Leiter des Rustaweli-Theaters in Tbilissi. Nachdem er 1991 nach Berlin übersiedelte, wo er ein Stipendium des DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst) erhielt, wurde er 1995 Composer-in-residence der Königlichen Flämischen Philharmonie in Antwerpen. Seitdem lebt Kantscheli als freischaffender Komponist in Belgien. Die Zeitung „Filmzeit“ zitierte den Komponisten einmal mit folgenden Worten: „Kantscheli hat das Anliegen seiner Musik so formuliert: ‚Vor allem sollte sie ein im weitesten Sinne verstandenes Gefühl von Religiösität wecken.’ Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, kann in Kantschelis Musik einem Phänomen begegnen, das der christliche Mystiker David Steindl-Rast einmal als ‚durch die Sinne Sinn finden’ bezeichnet hat: ‚Wie soll unser Herz hellhörig sein, solange unsere Sinne abgestumpft bleiben?’“

Das Tonträger-Label ECM veröffentlicht anlässlich des 75. Geburtstages eine weitere Kantscheli-CD, die das Werk „Stilles Gebet“ enthält. Der Bratschist Yuri Bashmet veranstaltet in Moskau ein Kantscheli-Festival.

Ein bedeutendes Event ist das Kantscheli-Geburtstagsfestival in Riga am 3. Oktober 2010 (Musikalische Leitung: Andres Mustonen). Über den Tag verteilt werden insgesamt fünf Kantscheli-Werke aufgeführt: „Stilles Gebet“, „Ex contrario“, „Besuch in der Kindheit“, „Abii ne viderem“ (Flötenfassung) und „Eine kleine Daneliade“. Aufführungen seines letzten großen Chor-/Orchesterwerkes „Dixi“ stehen in Tallinn, Katowice, Riga, Tbilissi und Moskau bevor

Die Deutsche Grammophon schließlich veröffentlicht eine CD mit Gija Kantschelis „V&V“ für Violine und Orchester, aufgenommen von Lisa Batiashvili und dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Esa-Pekka Salonen.

Die Erstaufführungen von Werken Gija Kantschelis:

02.09.2010
Riga
Lettische Erstaufführung
Gija Kantscheli
„Dixi“ für Chor und Orchester
(Lettischer Staatschor, Lettisches Nationales Sinfonieorchester
Ltg.: Andres Mustonen)

23.10.2010
Moskau
Russische Erstaufführung
Gija Kantscheli
„Dixi“ für Chor und Orchester

 

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