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Hinter- und tiefgründig: Gefeierte Uraufführung von Moritz Eggerts „Bordellballade“

Die Uraufführung der „Bordellballade“ von Moritz Eggert im Musiktheater im Brauhaus Dessau im Rahmen des Kurt-Weill-Festes 2010 am 4. März fand ein reges Presseecho. Die Rhein Zeitung schrieb in ihrer Ausgabe vom 10. März unter anderem:

„(...) Eine Puffmutter und ihre Dirnen mit Namen Rosl, Ferkel und Zuckergoschl: Da entwirft der österreichische Autor Franzobel ein Personal wie aus einem Mutzenbacher-Erotikroman. Und er bleibt zunächst auch nah an Konstellationen, wie man sie aus der ‚Dreigroschenoper’ oder ‚Mahagonny’ von Brecht/Weill zu kennen glaubt. Und auch Komponist Moritz Eggert stößt in dieses Horn: Viele der 21 Songs dieser ‚Bordellballade’ sind direkt als Reflektion auf Vorbilder wie den Mackie-Messer-Song, die Ballade von der sexuellen Hörigkeit oder - aus diesem Zeitrahmen fallend - Hilde Knefs ‚Für mich soll"s rote Rosen regnen’ geschrieben. Das ganze hochunterhaltsam, virtuos orchestriert für kleines Ensemble - offensichtlich ein Herzensanliegen des Komponisten. Aber richtig spannend wird es, wenn das Auftragswerk für das Dessauer Kurt-Weill-Fest, das Koblenzer Theater und die Neuköllner Oper in Berlin sich von dieser Beschäftigung mit den Wurzeln entfernt. Dann entfesselt Franzobels Sprachkunst ihre skurrile Faszinationskraft, dann verlässt Moritz Eggert die schmeichelnde Tanz-Harmonie scheibchenweise und irritiert das soeben noch schmeichelnd-verwöhnte Ohr der Zuhörer: So entstehen immer wieder Chanson-Preziosen, die tiefgründig unterhalten.

(...) Die Regie trägt der Taktik der Musik und des Textes Rechnung: Vor allem am Anfang immer wieder kleine Flirts mit den Grundfesten des (Brechtschen) epischen Theaters, dann schwimmen die Figuren sich frei - eine gelungene Gratwanderung zwischen Vorbild und eigener Interpretation. Die musikalische Umsetzung der Produktion schließlich ist hinreißend: Was Dirigent Arno Waschk mit seinen neun Musikern und den Schauspielern herausholt, könnte (und sollte!) sofort auf CD gebannt werden.

Die sängerische Bandbreite ist aufregend groß: Adrian Becker gibt den zweigesichtigen Lokalmafioso mit Musical-Eleganz, Kammersängerin Claudia Felke als Puffmutter Rosl ist in den Chansonnummern ohnehin trefflich besetzt - und darstellerisch ganz in die tiefe Tragikomik ihrer Figur eingetaucht. Dorothee Lochner und Isabel Mascarenhas nutzen als Hurenduo zwischen Freiheitsdrang und Opferschicksal die Gelegenheit, ordentlich Gas zu geben. Matthias Schaletzky vollzieht den gar nicht so weiten Weg vom frustrierten Fliesenleger zum Hilfsfolterknecht Bussibär mit knorriger Entschiedenheit. Schließlich Marcel Hoffmann als gesangsstarker Metzger Alfred, dem die Franzobelschen Sprachumwege wie in die Kehle geschrieben sind: eine runde Ensembleleistung in einer gefeierten Premiere.“ (Claus Ambrosius)

 

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