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Wenchen Qins „Klänge, die Erinnerungen wecken“ in einer Rezension

Die Zeitschrift „Ensemble“ veröffentlicht in ihrer aktuellen Ausgaben 1/2010 folgende Rezension der Druckausgabe SIK 8591:

Wenchen Qin: „Klänge, die Erinnerungen wecken“ für Blockflöte, Sho, Gitarre und Schlagzeug
SIK 8591; € 12,50

„Erst einmal geht es sehr langsam los. Ein chinesischer Gong, sanft mit den Fingern angeschlagen, so dass sich ein nebelhafter und ganz unwirklicher Ton ergibt. Ein zweiter Schlag ... ein dritter, vierter ... fünfter, sechster, siebter ... Zirpend erklingen ein Glissando der Gitarre, Flageoletts in den höchsten Lagen. Dann Vogelrufe in der Blockflöte, ein Waldweben wie auf einer chinesischen Tuschezeichnung.
Die Sho (manchmal auch Zheng oder Cheng geschrieben) ist ein in China und Japan verbreitetes Blasinstrument, eine aparte klangliche Mischung aus Mundharmonika und Drehleier. Man sagt, ihr Klang sei dem Schrei des Phoenix nachgebildet. Sie ist verhältnismäßig leicht zu spielen, jedoch muss sie in Spielpausen über einem kleinen Kohlenfeuer, das in weißen Tonschalen (hibachi) vor den Musikern steht, erhitzt werden, damit sich keine Feuchtigkeit im Ansatzblatt sammelt und den Klang zerstört. Ihre wichtigste und geradezu zeremonielle Aufgabe im chinesischen Orchester ist es nicht etwa, die Klangfarbe der Melodie zu bestimmen und eine Spannung aufzubauen, die aufgelöst werden muss. Ihre Akkorde werden dazu benutzt, die Melodie „einzufrieren" und sie vom Zuhörer zu distanzieren.
Der starre Klang der Sho lässt das zarte Gespinst aus Tönen erstarren. Wie ein Eisvogel, der aus dem Himmel herabstößt, um einen Fisch aus dem Wasser zu holen, die friedliche Szenerie für immer zerstört, so taucht auch der rostige Klang der Sho das sanfte Klangbild in ein düsteres Licht — lässt es für immer verändert zurück. Würde sie schweigen, es wäre alles wie immer.
Sein musikalisches Material schöpft Qin dabei zu gleichen Teilen aus dem Gestus traditioneller Volksmusik und der chinesischen Avantgarde. Und mit wenigen Pinselstrichen — wie ein Künstler aus der Blütezeit chinesischer Malerei — zaubert Wenchen Qin „Klänge, die Erinnerungen wecken".

 

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