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Bamberger Symphoniker gastieren mit Schostakowitschs 10. Sinfonie op. 93 in Hamburg

Die Bamberger Symphoniker und ihr Chefdirigent Jonathan Nott sind am 16. Dezember 2009 in der Hamburger Laeiszhalle mit der 10. Sinfonie op. 93 von Dmtri Schostakowitsch zu Gast. Die Wochenzeitung WELT am SONNTAG (13.12.2009) schreibt dazu in einer Ankündigung:

„Wie hat man sich ein musikalisches Porträt des russischen Diktators Stalin wohl vorzustellen? Vertraut man den vielleicht nicht authentischen und deshalb oft angezweifelten Memoiren von Dmitri Schostakowitsch, die posthum vom Leningrader Musikwissenschaftler Solomon Wolkow herausgegeben wurden, dann hat der große russische Symphoniker mit seiner 10. Symphonie op. 93 just ein solches Bild geschaffen. Man muss den programmatischen Hintergrund aber nicht unbedingt für wahr halten, um in der von den Bamberger Symphonikern und ihrem Chefdirigenten Jonathan Nott am 16. Dezember in der Laeiszhalle gespielten Werk ein ungeheure Kraft und innere Zerrissenheit zu spüren.

Acht Jahre nach der 1945 vollendeten 9. Symphonie hatte die Ankündigung einer neuen Schostakowitsch-Symphonie kurz nach Stalins Tod 1953 ein ungeheures Aufsehen in der Sowjetunion erregt. Mit Stalins Tod war eine große Last von Schostakowitschs Schulter gefallen, auch wenn die verheerende Realismus-Doktrin der Parteilinie noch lange danach Geltung haben sollte. Durch einen vernichtenden Artikel unter dem Titel „Chaos statt Musik“ hatte Stalin 1936 selbst einen Artikel veröffentlicht, mit dem er Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ ein vorläufiges Aufführungsverbot beschied. Die Uraufführung der 10. Symphonie nach Stalins Tod rief kaum weniger polarisierende Reaktionen hervor wie die „Skandaloper“ damals.

Zerrieben von den Repressalien der sowjetischen Machthaber lebte Schostakowitsch auch nach 1953 hinter einer selbst errichteten Mauer, hinter die er kaum blicken ließ. Was er äußerte, war nicht immer das, was er wirklich dachte. Und was er dachte, durfte er nur selten ohne Umschweife äußern. Wolkow zufolge ist besonders der 2. Satz Allegro, der alle Züge von Gewalt und Paranoia widerspiegele als Stalin-Porträt zu verstehen. Diese These unterstützt auch ein Zitat zu Beginn des Satzes aus Modest Mussorgskis Oper „Boris Godunow“, die Schostakowitsch selbst einmal neu instrumentiert hatte. Auch in diesem musikalischen Volksdrama geht es um unschuldig vergossenes Blut, das der Zar einst zur Durchsetzung seiner Macht geopfert hatte. Im Finale greift Schostakowitsch die Motive aus dem wilden 2. Satz wieder auf und stellt seine emblematisch in Töne verwandelten Namensinitialen D-S-C-H dem Schreckensbild Stalin gegenüber (...)“

 

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