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Gubaidulina-Wochenende beim NDR: „Randvolles“ Rolf-Liebermann-Studio

Das Konzertwochenende, das der Norddeutsche Rundfunk am 23. und 24. Oktober 2009 anlässlich des 78. Geburtstages von Sofia Gubaidulina veranstaltet hat, war ein gigantischer Erfolg. Im nahezu ausverkauften Rolf-Liebermann-Studio des NDR Hamburg war auch die Komponistin selbst als Interpretin des „Aquaphons“ aufgetreten. Die Tageszeitung Die WELT und das Hamburger Abendblatt kommentieren:

Die WELT, Ausgabe, 26.10.2009

„(...) Es war gut, dass das neue werk des NDR Gubaidulinas 78. Geburtstag zum Anlass nahm, sich einmal kompakt und retrospektiv ihres Werkes anzunehmen - nicht nur der bedeutsamen Kammertöne, sondern auch der hintergründigen, symbolkräftigen Orchestermusik. Schon das frühe ‚Märchen-Poem’ über ein Stück Schulkreide, das davon träumt, sich in ein Kunstwerk zu verwandeln, zeigt eine an Rimsky-Korsakow geschulte Meisterin des orchestralen Farbenspiels. Eine Gabe, mit der sie im Violoncello-Konzert ‚Und: Das Fest ist in vollem Gang’ (1993) visionär wuchert.
Mit Ivan Monighetti als Grand Macabre, der einen solistischen Teufelstanz auf, unter und zwischen den Saiten vollführte und die bangen Seelen klagen ließ, band Gastdirigent Stefan Asbury im NDR-Sinfonieorchester die apokalyptischen Reiter los. Endzeitlich gestimmt auch die Symphonie ‚Stimmen ... verstummen’. 1986 für die Berliner Festwochen nach Gedichten von Franzisco Tanzer entstanden, zwingen ihre zwölf Sätze Mystik und Zahlenmaß, Dreiklang und Missklang, Erlöschen und Wiedergeburt, Versuchung und Segnung zu höherer Einheit. Ergriffenheit und Begeisterung im randvollen Rolf-Liebermann-Studio.“ (ll)

HAMBURGER ABENDBLATT, Ausgabe, 26.10.2009

„In der Musik von Sofia Gubaidulina wird Klang zum Drama. So war es ein Schauspiel für sich, die Komponistin bei dem Konzert zu beobachten, das der NDR aus Anlass ihres 78. Geburtstags in der Reihe ‚das neue werk’ gab.
Gespannt bis in die Fingerspitzen, mit unablässig arbeitenden, zu Fäusten geballten Händen folgte die Jubilarin ihrer Musik und fieberte mit jeder Note. Dabei bestand zum Daumendrücken kein Grund: Die NDR-Sinfoniker unter der präzisen und souveränen Leitung von Stefan Geiger waren glänzend disponiert. Und je länger der Abend dauerte, umso intensiver wurde die Musik.
Eher amüsant als ergreifend wirkte noch das Geschwätz vierer redseliger Blechbläser in dem instrumentalen Theater Quattro. ‚Am Rande des Abgrunds’ für sieben Celli und zwei Aquaphone - eines davon gespielt von der Jubilarin - offenbarte schon mehr vom Geheimnis Sofia Gubaidulinas: Ihre Musik lebt von einem Klang, der ohne den Umweg über kunstvolle Formen mit der Unmittelbarkeit eines Naturereignisses direkt zur Seele spricht. Schier überwältigend wurde dies in den kraftvollen Obertonklängen von ‚Risonanza’ für sieben Blechbläser, sechs Streicher und Orgel hörbar.
Deutlich karger, aber dafür von beklemmender Intensität war der Zyklus ‚Perception’ nach Gedichten von Francisco Tanzer. Was die Entfremdung zweier Liebender mit einem toten Pferd und den Psalmen Davids zu tun hatte, blieb ein Rätsel. Doch eben deshalb hinterließ das Stück einen ähnlich verstörenden Eindruck, wie jene Träume, von denen man am Morgen nur noch die Erinnerung an einen tiefen, völlig stimmigen Zusammenhang übrig behält, für den aber im Wachen alle Worte fehlen.“ (ist)

 

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