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Christian Poltéra spielt Schostakowitschs Cellokonzert op. 107 anders

Im ersten Abonnementkonzert des NDR Sinfonieorchesters trat der junge Schweizer Cellist Christian Poltéra mit dem Cellokonzert Nr. 1 op. 107 von Dmitri Schostakowitsch auf. Die Tageszeitung DIE WELT schreibt darüber in ihrer Ausgabe vom 23. September:

„Mit der Gründung eines eigenen festen Streichtrios hatte sich der Geiger Frank-Peter Zimmermann so lange Zeit gelassen, bis er außer dem Bratscher Antoine Tamestit auch den kongenialen Schweizer Cellisten Christian Poltéra traf. Wer Poltéra im ersten Abonnementkonzert des NDR Sinfonieorchesters am Montag nun mit Dmitri Schostakowitschs erstem Cellokonzert op. 107 erleben durfte, wird erahnen, warum er sich diesen jungen Solisten einfach nicht durch die Lappen gehen lassen konnte und in seinem 42. Lebensjahr endlich diesen Schritt unternommen hatte. Eine solch ausgefeilte Tonqualität, Sorgfalt in der Gestaltung und Noblesse im Auftreten haben nur wenige Cellisten dieser Generation zu bieten. Schostakowitschs viersätziges, einst Mstislaw Rostropowitsch gewidmetes Konzert interpretierte Poltéra allerdings grundlegend anders, als man es zu hören gewohnt ist. Besonders das erste Allegro wird üblicherweise rauer und mit Blick auf Schostakowitschs verzweifelte Lage zur Zeit der Werkentstehung gar verbissen interpretiert. Poltéra aber vermied Härten, verweigerte sich der obsoleten Trotzhaltung dieser Musik und wurde darin vom Dirigenten des hervorragend aufgelegten NDR Sinfonieorchesters Christoph von Dohnányi in jeder Weise unterstützt. Selbst die krachenden Paukenschläge und die kreischenden Piccoloschlenker in diesem Satz wurden dynamisch heruntergefahren. Unter die Haut ging das intime Hornsolo Claudia Strenkerts zu Beginn des Moderatos, und Poltéra ließ die große vehemente Kantilene seines Solos immer intensiver und flehender werden, bevor ein subito piano plötzlich Einhalt gebot, als verstecke sich der Komponist erschrocken vor seiner eigenen Gefühlsseligkeit. Und doch endete dieser Satz träumerisch mit hellen Celestaklängen, die zusammen mit Celloflageoletts und der Klarinette dem Klangbild etwas Sphärisches verliehen und nur einen kurzen Lichtblick vor der beklemmenden Hoffnungslosigkeit der nachfolgenden Cadenza darstellten. (...)“

 

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