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Presse zur Uraufführung von Jörn Arneckes „Kristallisationen“ in Hamburg

Anlässlich der Uraufführung des neuen Orchesterwerks „Kristallisationen“ für Klarinette, Fagott und Orchester von Jörn Arnecke wurde am 7. Juni in der Wochenzeitung „Welt am Sonntag“ eine Ankündigung und am 8. Juni im „Hamburger Abendblatt“ eine Konzertkritik veröffentlicht.

„Bläserkonzert entführt in die Welt der Kristalle“
WELT am SONNTAG, 7. Juni 2009

„Für manche ist die Kristallografie, die Wissenschaft von den Kristallen, ein Buch mit sieben Siegeln. Man benötigt mathematisches Wissen und einiges Abstraktionsvermögen, um die bunte Welt der Steine systematisch zu klassifizieren. Bei der Musik verhält es sich nicht anders. Auch hier sind die Verhältnisse von Tonhöhe und -dauer sowie Klangfarbe reinste Mathematik. Als Jörn Arnecke einen Kompositionsauftrag der Philharmoniker Hamburg erhielt, entschied er sich spontan, die Mineralogie mit dem Tonsatz zu verbinden. ‚Kristallisationen’ heißt sein Stück für Klarinette, Fagott und Orchester, das Simone Young heute und morgen im 10. Philharmonischen Konzert zur Uraufführung bringt.

Zwei Wünsche der Generalmusikdirektorin hatte Arnecke, von dem unter der Intendanz von Louwrens Langevoort zwei Kammeropern an der Staatsoper gezeigt wurden, dabei zu beachten. Das Stück sollte ein Doppelkonzert werden und zugleich den Aspekt von ‚Thema’ und ‚Variationen’ aufgreifen, der die Dramaturgie des ganzen Konzerts bestimmt. ‚Die beiden Solo-Instrumente durfte ich selbst vorschlagen’, sagt Arnecke. ‚Mich reizten Klarinette und Fagott wegen der dunklen Klangfarbe, und ich wollte mich gern mit Bläsern beschäftigen, nachdem die Streicher die bestimmende Klangfarbe in meinem letzten, bei der Ruhr-Triennale uraufgeführten Musiktheater 'Unter Eis' gebildet hatten.’

Themenabspaltungen und Metamorphosen, wie sie für die Variationsform üblich sind, standen für Arnecke nicht unbedingt im Mittelpunkt. ‚Variiert wird eine Klangfolge, die in verschiedenen Konstellationen unterschiedliche Verdichtungen erlebt.’

Womit wir wieder bei den Kristallen wären, ihrem Schillern bei unterschiedlichem Lichteinfall, ihrer Dichte und Härte und der Veränderung von Aggregatzuständen wie dem zu Eis frierenden Wasser. Die Solopartien bei den ‚Kristallisationen’ übernehmen die Philharmoniker-Solisten Rupert Wachter, Klarinette, und Christian Kunert, Fagott.

Weitere ‚Kristalle’ im Programm des letzten Philharmonischen Konzerts dieser Saison sind Dvoráks nicht so häufig gespielte Sinfonische Variationen op. 78 und die Haydn-Variationen op. 56a von Brahms.

„Vom Originalen zum Originellen“
HAMBURGER ABENDBLATT, 8. Juni 2009

„Vier Komponisten mit vier Variationen über Themen von sechs Komponisten? Klingt wie verzählt, geht aber, denn Reger verarbeitete als Zeichen der Bewunderung eine Anleihe von Mozart, Brahms eine von Haydn.

Theoretisch ergäbe diese Zusammenstellung eine Unmenge stilistischer Kombinationen, die Generalmusikdirektorin Simone Young im letzten Abo-Konzert dieser Spielzeit aufs Programm setzte. Praktisch bewies sie vor allem, dass die individuelle Handschrift auch dann klar durchklingt, wenn das Motiv gut gewählt ist und die jeweils gewählte Technik stimmt.
Der mit Abstand Jüngste der vier in der Laeiszhalle Gespielten, der Hamburger Komponist Jörn Arnecke, war derjenige, bei dem sich die Variationskunst vor allem im Klangfarben-Bereich abspielte. Seine ‚Kristallisationen’ für Klarinette, Fagott und Orchester (nach zwei Kammeropern für die hiesige Bühne eine Auftragsarbeit der Philharmoniker) hinterfragten und erkundeten die Möglichkeiten, die sich auftun, wenn man Timbres und Reibungen aufeinandertreffen lässt, ohne dabei auf frontalen Konfrontationskurs mit den Hörerwartungen oder schlimmstenfalls -befürchtungen zu gehen.

Die beiden orchestereigenen Solisten Rupert Wachter und Christian Kunert waren an der Entstehung dieser weitgehend dezent gehaltenen Kolorationsstudie aktiv beteiligt gewesen, ihr Bühnen-Engagement stabilisierte das Interesse im gesamten Klangkörper, der Arneckes fein verästelte Abstufungen prägnant durchschimmern ließ. Selbst der Mittelteil, in dem Arnecke seinen Solisten etabliert unklassische Spieltechniken (Mehrtönigkeit, Klappen-Klappern) vorschrieb, blieb der Eindruck, hier geht es nicht um bloße Show-Effekte aus der gängigen Neutöner-Rappelkiste, sondern um notwendige Mittel, die Struktur und Spannung ergeben. Ein Stück, das Avantgarde-Konzepte nicht mit Aktionismus überfrachtet und das mit jedem Wiederhören an Reiz gewinnen dürfte (...)“
(jomi)

 

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