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Lera Auerbachs „Die Kleine Meerjungfrau“ und das unbekannte „Theremin“

Am 28. Mai läuft an der Hamburgischen Staatsoper das einst zum Andersen-Jahr entstandene und in Kopenhagen uraufgeführte Ballett „Die kleine Meerjungfrau“ von Lera Auerbach in der Choreographie von John Neumeier. Im Orchester besetzt ist auch ein wenig bekanntes Instrument: das 1919 erfundene elektronische Instrument „Theremin“. Verena Fischer-Zernin hat den „Exoten“ unter den Orchesterinstrumenten der Philharmoniker Hamburg und seine Interpretin im Hamburger Abendblatt (Ausgabe 28.5.09) porträtiert:

„Wer bei einer Vorstellung von John Neumeiers Ballett ‚Die kleine Meerjungfrau’ in der Staatsoper in den Orchestergraben schaut, der bemerkt in dem Wald von Instrumenten, Notenständern und Stühlen samt befrackten Musikern ein eigentümliches Loch - un d darin, wie in Quarantäne, eine Frau mit kurzen roten Haaren. Vor sich ein Tischchen mit Antenne und hinter sich ein Paar Lautsprecher hält sie die linke Hand über einen Drahtring. Die Finger der rechten Hand bewegt sie auf Brusthöhe in feinen Abstufungen. Und als lenkte sie an einem unsichtbaren Faden eine singende Säge, folgt ihrem Fingerspiel ein biegsamer, klagender Ton durch alle Stimmlagen bis ins feinste Vibrato.
‚Man muss gut hören und koordinieren können’, sagt Lydia Kavina über das Theremin, ihr Instrument. Sie bedient es, ohne es zu berühren. Die gebürtige Russin ist eine der wenigen professionellen Theremin-Spielerinnen auf der Welt und vermutlich die berufenste: Das Instrument heißt nach ihrem Großonkel Leon Theremin, einem russischen Physiker. Er hat es 1919 erfunden und sie daran noch selbst unterrichtet. 1981, im Alter von 14 Jahren, gab sie ihr erstes Konzert; seitdem hat sie eine internationale Karriere gemacht, die man mit diesem frühen elektronischen Instrument gar nicht für möglich gehalten hätte: (...)
Lydia Kavinas Freundin Lera Auerbach, die die Musik zu Neumeiers Ballett geschrieben hat, hat dem Theremin die Stimme der kleinen Meerjungfrau gegeben. Am Ende des Balletts bleibt es als einzige Solostimme übrig, begleitet vom Orchester: ‚Da verkörpert es die ewige Seele’, sagt Kavina.
Wegen der gesanghaften Tongebung vergleicht Kavina ihr Instrument gern mit einem Koloratursopran. Natürlich funktioniert es ganz anders als die menschliche Stimme: Das Theremin produziert ein Magnetfeld, und bewegt sich ein Mensch innerhalb desselben, verändert er die Frequenz der elektromagnetischen Wellen. Darauf reagieren die Antennen, die an einen Klanggenerator angeschlossen sind. Über die senkrechte Antenne kann Kavina mit der rechten Hand die Tonhöhe regulieren; mit der linken beeinflusst sie über den waagerechten Antennenring die Lautstärke.
Das erklärt auch, warum ihr kleines Instrument so viel Platz braucht. ‚Als Erstes rücke ich Stühle, wenn ich in einen Orchestergraben komme’, sagt sie und lacht. ‚Und die Lautsprecher müssen gleich hinter mir stehen, damit ich den Klang kontrollieren kann.’
(...) Heute Abend lässt sie das Theremin wieder in der Staatsoper bei der ‚Meerjungfrau’ klingen.“