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Presse zu CELAN von Peter Ruzicka in Bremen

Die Premiere der Neuinszenierung von Peter Ruzickas Oper „CELAN“ am Theater Bremen (10.05.09) hat ein reges Medienecho gefunden. Hier einige Presseausschnitte:

Großer Gesang in mächtigen Bildern: "Celan" in Bremen

(...) hat sich Celan angenommen, seine gleichnamige Oper 2001 an der Semperoper uraufgeführt. Am Sonntag hatte bereits die vierte Inszenierung des "Celan" Premiere, am Theater Bremen. Der Komponist dirigierte, Vera Nemirova hat inszeniert.

Ruzickas Opus eignet eine Ästhetik des Fragments, wie am Rande des Verstummens angesiedelt, konzis wie immer, das Grauen mit perkussiver Gewalt und ausdrucksstarkem Sprechgesang offen benennend. Die der Filmästhetik ähnlichen, schnell geschnittenen Szenen (Libretto: Peter Mussbach) werfen Schlaglichter auf das Leben Paul Celans, wechseln wie im Flashback zwischen den Begegnungen des jungen Dichters und jenen des reifen Mannes. Kein Erzähltheater mit seiner klassischen Kausalität haben Ruzicka und Mussbach hier ersonnen, sondern ein kaleidoskopisch postmodernes Musiktheater der vielschichtigen Assoziationen, das die zerrissenen Erinnerungsfetzen einfängt, ohne sie sinnstiftend ineinander zu fügen.

Der berührende, beklemmende Musiktheaterabend bleibt eine behutsame Annäherung an Celan und sein Trauma, schwankend zwischen dem oft banalen Text einer gut gemeinten Betroffenheitskunst und einem bedeutungsschwangeren, wirklich guten Theater, das sich nicht mehr der Bewältigung, sondern der Bewahrung von Vergangenheit verschreibt. Die ungeheure Sogkraft und Spannung der Produktion aber kommt aus dem Orchestergraben, wo Ruzicka mit den Bremer Philharmonikern eine furios forsche, beredte und bewundernswert präzise Lesart seines Werks entwickelt hat.
(DIE WELT, Peter Krause 12. Mai 2009)

Abschied vom Ausdruck
Peter Ruzicka dirigiert am Bremer Goetheplatztheater seine Oper „Celan“

„Erinnerung ist im schlimmen Fall die Unfähigkeit, traumatische Ereignisse zu vergessen. In der Celan-Oper von Peter Ruzicka, die im Theater am Goetheplatz Premiere hatte, scheint deshalb das Schicksal des Dichters auch eng mit dem mentalen Zustand der Deutschen verknüpft - gestern und heute.

Das Werk steht eigentlich quer zum üblichen Kulturbetrieb der Gegenwart, und die Figuren wirken wie Wiedergänger, Wesen, denen das Sterben nicht recht gelingt und die das unbeschwerte Weiterso verhindern. Celan, das Schwergewicht der Nachkriegslyrik vor allem in den Sechzigern, als Vergangenheit wie Gegenwart Deutschlands hoch im Diskurs einer Vergangenheitsbewältigung standen, kehrt im neuen Jahrtausend irritierend wieder und mit ihm die Erinnerung an die rauchenden KZ-Öfen. Hatte man Celan, dessen Gedichte das Gewicht der Traklschen haben, nicht schon vergessen, waren sie spätestens unter die Räder der Spaßgesellschaft der neunziger Jahre gekommen? Die Inszenierung kommt darauf zurück, gegen Ende, und verknüpft etwas überraschend die Barbarei der Nazizeit mit den Amokläufen der Kinder heute, den Zivilisationsbruch damals mit tektonischen Verschiebungen seelischer Fundamente der scheinbar von der Geschichte unbeleckten Jugend, die frisch und unschuldig mit der Kultur wieder von vorne beginnen kann. In einem die Bühnenrealität durchbrechenden Szenario als Theater im Theater mäht ein kleiner Junge Publikum wie Mitspieler mit seiner Pumpgun nieder - virtuell, versteht sich.“
(WESERKURIER, Arnulf Marzluf, 12.05.2009)

Die Schoah auf der Opernbühne

„Kann Kunst Betroffenheit erzwingen? Die Bremer Neu-Inszenierung ‚Celan’ über den Dichter und das Gedenken an die Schoah versucht es. Da wanken die Choristen durch den vernebelten Bühnenraum, entkleiden sich an der Rampe, fallen einer nach dem anderen um. (...) Unstrittig an der Bremer Inszenierung dürfte sein, dass Regisseurin Vera Nemirova und Bühnenbildner Stefan Heyne die Aufgabe, 36 Einzelsituationen einen stimmigen Rahmen zu geben, sehr gut gelöst haben. Da sind neben starken und allzu starken Bildern viele klug gelöste Übergänge zu sehen. (...)
(ist, Hamburger Abendblatt, 12.05.2009)