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Auf stillen Wegen, ohne zu stolpern

Wolfgang Sandner gratuliert Sofia Gubaidulina

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien anlsslich des 70. Geburtstags von Sofia Gubaidulina am 24. Oktober 2001 ein Beitrag von Wolfgang Sandner, in dem es u.a. heit:

Fr die tartarisch-russische Komponistin Sofia Gubaidulina gilt, was auf viele Knstler ihrer Generation zutrifft, die wesentliche Abschnitte ihres Lebens in der Sowjetunion verbracht haben. Jede ffentliche uerung, die sich dem individuellen Willen des Knstlers und nicht der herrschenden Kunstdoktrin verdankte, war eine Gratwanderung zwischen Duldung und Auffhrungsverbot. (...) Um so hher ist es einzuschtzen, wenn diese Komponisten beharrlich sthetischen Widerstand leisteten, wie Sofia Gubaidulina mit ihrem Offertorium beispielsweise, einem Konzert fr Violine und Orchester, gleich in doppelter Hinsicht. Sie schrieb ein Werk im religisen Kontext, und sie widmete es zudem noch einem Knstler, der seit Jahren im Westen lebte, in der Sowjetunion deshalb persona non grata gewesen ist: dem Geiger Gidon Kremer. Gidon Kremer hat die Komponistin denn auch als Missionarin bezeichnet, deren Werk so attraktiv wirke, weil die Quellen, aus denen sie ihre Inspirationen schpfe, offenbar verborgen blieben. Was Kremer fhlte, hing vermutlich nicht nur mit dem religisen Aspekt ihrer Werke zusammen, die keine Kirchenmusiken, vielmehr oft musikalische Deutungen religiser Symbole darstellen. Es hngt vermutlich mit der Radikalitt ihrer Klangsprache zusammen, dem Gestus der Versenkung, wie man ihn auch in der hermetischen Lyrik des Dichters Gennadij Ajgi sprt, den Sofia Gubaidulina vertont hat und der sich selbst als Suchenden im Dienste der Stile bezeichnete.