Komponistensuche

Suche nach Nachnamen

Detailsuche

Repertoiresuche

Katalogsuche

John Neumeiers Ballett "Nijinsky" wiederaufgenommen

Das am 2. Juli 2000 an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführte Ballett "Nijinsky" von John Neumeier ist seit November 2001 wieder im Spielplan. Die aktuellen Aufführungstermine sind 16., 17. und 19. Januar 2002. Folgeaufführungen finden außerdem am 11., 15., 18. und 20. Mai und am 28. Juni 2002 statt.

Die Produktion sei, so der Hamburger Ballettchef, keine tänzerische Skizzierung vom Leben des großen Tänzers und Stars des Ballets russes, sondern eine Biografie der Seele, der Empfindungen und Zustände dieses am Ende seines Lebens so schwer erkrankten Künstlers.

Neumeier bedient sich zur musikalischen Untermalung seiner Ballett-Visionen unter anderem der Musik von Dmitri Schostakowitsch. Es erklingen Ausschnitte aus der 11. Sinfonie „Das Jahr 1905“ op. 103 und der Sonate für Viola und Klavier op. 147, dem letzten Werk des Komponisten, das als eine Art Vermächtnis verstanden werden kann.

Damals kommentierte die Tageszeitung "DIE WELT" (4. Juli 2000) das Ereignis mit folgenden Worten:

"Neumeier möchte neutral erzählen, die Phänomenologie eines Mythos zusammensetzen aus getanzten Mosaiksteinchen aus der Biografie des genialen Tänzers, innovativen Choreografen, zwischen der fordernden Liebe Diaghilevs und seiner Frau Romola zerrissenen Menschen, schließlich an Schizophrenie Erkrankten. (...) Zunächst spult sich Neumeier ausgehend von Nijinskys letztem öffentlichen Auftritt in einem getreulich nachgebauten Hotel in St. Moritz, rückwärts. Neumeier mischt bruchlos seine klassizistisch-reine, doch auch kühle Bewegungssprache mit den Choreografien Nijinskys, lässt ihn in einem schönen Pas de Trois zu Schostakowitschs später Bratschensonate mit Romola kullern und mit Serge kuscheln (...) Der zweite Teil wirkt stringenter - weil er disparater, ohne Thema fast collagiert ist. Nijinsky scheint über die Grenze aus Genie und Wahnsinn getreten, durchschreitet zwei Neonkreise, um zu aufwühlender Militärmusik von Schostakowitschs 11. Sinfonie die Schrecken des Krieges zu durchleben und diese schließlich - zurück im Suvretta Haus - in Tuchbahnen verwickelt zu tanzen."