Komponistensuche

Suche nach Nachnamen

Detailsuche

Repertoiresuche

Katalogsuche

Dmitri Schostakowitsch: Neue Gesamtausgabe in 150 Bänden

Ziel der Neuen Schostakowitsch-Gesamtausgabe in 150 Bänden ist es, das äußerst umfangreiche kompositorische Erbe Dmitri Schostakowitschs (1906-1975) professionellen Musikern, Interpreten und Forschern zugänglich zu machen.

Zu Lebzeiten des Komponisten wurde keine Sammlung seiner Werke herausgegeben. Der erste Versuch einer solchen Veröffentlichung war die Gesamtausgabe in 42 Bänden, die in den Jahren 1979 bis 1987 beim Moskauer Verlag "Musyka" erschien. Doch aus verschiedenen praktischen und ideologischen Gründen erwies sich die erste Schostakowitsch-Gesamtausgabe als höchst unvollständig. So fehlten darin die Partituren der großen Ballette Das Goldene Zeitalter und Der Bolzen aus den späten zwanziger bzw. frühen dreißiger Jahren sowie solch große Werke wie die "Fünf Zwischenspiele aus der Oper Katerina Ismailowa" op. 114a und Acht britische und amerikanische Volkslieder. Darüber hinaus konnten Werke wie Lady Macbeth von Mzensk (in der Originalfassung) oder der "Antiformalistische Rajok" zeitbedingt nicht veröffentlicht werden.

Die Publikation litt außerdem unter zensurbedingten Entstellungen. So wurden insbesondere die Widmungen Schostakowitschs an solch großartige russische Musiker wie Mstislaw Rostropowitsch (Cellokonzerte) und Galina Wischnewskaja ("Satiren" und Sieben Gedichte von Alexander Blok), an den Maler Pjotr Wiljams (Streichquartett Nr. 4), den Komponisten Michail Kwadr (Symphonie Nr. 1), der 1929 zum Tod durch Erschießen verurteilt wurde, und den Dirigenten und Pianisten Maxim Schostakowitsch (Concertino für zwei Klaviere, Klavierkonzert Nr. 2) in der Ausgabe entfernt. Bei der Symphonie Nr. 13 wurde dem Willen des Komponisten in grober Weise zuwidergehandelt, indem man in deren ersten Satz den Text eines Gedichtes in einer veränderten Fassung abdruckte, die vom Komponisten abgelehnt wurde.

Die Neue Schostakowitsch-Gesamtausgabe unterscheidet sich wesentlich von der ersten Ausgabe in 42 Bänden, indem sie das Schaffen des Komponisten in seinem vollen Umfang präsentiert. Sie enthält sowohl alle heute bekannten Werke als auch die meisten der von Schostakowitsch instrumentierten Werke anderer Komponisten. Über achtzig Werke werden hier erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Unter den hier veröffentlichten Kompositionen befinden sich die Acht britischen und amerikanischen Volkslieder, der "Antiformalistische Rajok", die achtsätzige Walzersuite für Orchester, das "Lied von der Heimat" op. 74, Zwei Stücke für Streichquartett (1. Elegie, 2. Polka), das Moderato für Violoncello und Klavier, die Märsche für Blasorchester aus den vierziger, fünfziger und sechziger Jahren, Adaptionen der russischen Volkslieder "Der Prügel" und "Los, machen wir Krach!", sämtliche überlieferte Fragmente der Jugendoper Die Zigeuner nach der gleichnamigen Dichtung von Alexander Puschkin sowie Klavierwerke für Kinder.

Die Partituren der Oper Lady Macbeth von Mzensk (op. 29, Erstfassung von 1932) und der Ballette Das goldene Zeitalter op. 22, Der Bolzen op. 27 und Der helle Bach op. 39 werden hier erstmals veröffentlicht. Die "Fünf Zwischenspiele aus der Oper Katerina Ismailowa", die achtteilige Suite für Unterhaltungsorchester und Schostakowitschs Bearbeitung seiner Sechs Romanzen nach Versen englischer Dichter für Bass und großes Orchester op. 62a werden hier ebenfalls erstmals vorgelegt. Des weiteren finden sich in dieser Publikation bislang unbekannte Kammermusikwerke, beispielsweise Klavierfugen aus den dreißiger Jahren, Präludien für Streichquartett, Klavier und Trompete, Klavierfassungen der Scherzi op. 1 und op. 7 sowie von Thema und Variationen B-dur op. 3. Die Neue Schostakowitsch Gesamtausgabe beinhaltet ebenfalls bisher unveröffentlichte Teile aus Bühnen- und Filmmusiken, Schostakowitschs eigene Klavierbearbeitungen seiner Symphonien, anderer Orchesterwerke und einiger seiner Streichquartette, die Klaviertranskriptionen der Symphonien Igor Strawinskys und Arthur Honeggers und vieles mehr.

Die Neue Schostakowitsch-Gesamtausgabe beinhaltet auch Kompositionen, die erst kürzlich in verschiedenen Archiven aufgefunden worden sind: Die dreisätzige Suite aus der Oper Lady Macbeth von Mzensk op. 29a, die noch im Jahre 1932 gleich nach Beendigung der Oper vom Komponisten zusammengestellt wurde, zwei Sätze aus der Originalpartitur zur Revue Der bedingt Ermordete op. 31 (1931; Nr. 1 Ouvertüre, Nr. 2 Die Zerstörung der Stadt), die Sieben Bearbeitungen finnischer Volkslieder (Suite über finnische Themen, 1939), die Suite Nr. 2 für Jazzorchester in drei Sätzen (1938) sowie das Zwischenspiel aus der Oper Katerina Ismailowa (zwischen Szene 6 und 7), in den siebziger Jahren instrumentiert für Symphonieorchester ohne Banda.

Jeder Band ist mit einem wissenschaftlichen Kommentar und detaillierten Informationen zur Entstehung der jeweiligen Komposition ausgestattet.

In der Neuen Schostakowitsch-Gesamtausgabe werden auch Faksimiles von zahlreichen Entwürfen und Skizzen aus dem Manuskriptbestand Schostakowitschs erstmals veröffentlicht, die sowohl für die Erforschung seines Schaffens als auch für die musikalische Interpretation dieser Manuskripte von außerordentlichem Wert sind. Die dabei verwendeten Deutungsprinzipien werden gesondert erläutert.

Die Neue Schostakowitsch-Gesamtausgabe wird in zwei Sprachen erscheinen: Russisch und Englisch. Die Texte der Vokalkompositionen sind in russischer Sprache abgedruckt und mit einer lateinischen Transkription versehen.