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Ein Heidenspaß mit Mechems „Tartuffe“ in Wien

Kirke Mechems komische Oper „Tartuffe“ wurde am 2. Mai 2002 an der Wiener Kammeroper zur österreichischen Erstaufführung gebracht. Erst im vergangenen Jahr war das Werk am Theater Hagen zur seiner vielbejubelten westeuropäischen Erstaufführung gebracht worden. In Wien erklang „Tartuffe“ in der Originalsprache. das Libretto schrieb der amerikanische Komponist selbst.

In der österreichische Presse war unter anderem zu lesen:

„In Anwesenheit des Komponisten erlebte das Publikum zwei Stunden temporeiche, pointierte opera buffa. Die Idee ist so einfach, wie gelungen: Molieres fünfaktige, kritische Komödie um den heuchlerisch-frommen Tartuffe, der den naiven Aristokraten Orgon fast um Familienglück und Vermögen bringt, schließlich aber doch mit List und Geschick überführt werden kann, war die Vorlage. Kirke Mechem, Jahrgang 1925, schrieb ein gestrafftes englisches Libretto: modern, leicht verständlich, voll Theaterwitz und vertonte es humorvoll-geschickt.“ (Petra Haiderer. - in: Die Presse, 06.05.2002)

„Verbaler Schlagabtausch im Libretto, musikalische Pointen aus dem Orchestergraben, köstliche Regieeinfälle auf der Bühne: "Tartuffe" in der Kammeroper strotzt von Tempo und Witz. Moliere hat im Komponisten Kirke Mechem sein musikalisches Alter Ego gefunden. Er zieht klassische Superhits wie die ersten Takte der "Eroica" aus der Trickkiste, um sie als sarkastische Kommentare einzusetzen. Annika Franssons spitzer Sopran gibt dem Kammermädchen Dorine die spitze Zunge, Rupert Bergmanns satter Bassbariton dem verblendeten Orgon Stimme. Vom heuchlerischen Moralapostel (Tae-Hyun Kim) ist der reiche Narr so verblendet, dass er ihn mit Tochter Mariane (als verkörpertes Klischee der blonden Frau Beatrice Louw) verheiraten und seinen Sohn Damis (Heißsporn Jan Leibnitz) enterben will. Wie Orgons kluge Frau Elmire (vornehm britisch-blass Anne Millea) Tartuffe als lüsternen Verführer entlarvt, ist ein Vergnügen. Peter Pawliks Regie sprüht von Ideen, Tanja Hausner kleidet das junge, stimmlich und spielerisch überzeugende Ensemble in schrille Kostüme. Frenetischer Jubel zur Premiere.“ (Die Furche, 09.05.2002)

“Köstlich, witzig, turbulent - kein Opernliebhaber sollte versäumen, was Isabella Gabor, Direktorin der Wiener Kammeroper, für die österreichische Erstaufführung entdeckt hat: "Tartuffe", eine Opera Buffa nach Molière, 1980 vom US-Amerikaner Kirke Mechem komponiert. Mechem, Jahrgang 1925 (und übrigens während seines Musikstudiums in Wien von Josef Krips entdeckt), ist ein Jongleur der verschiedensten Stilrichtungen der Moderne. Außerdem besitzt er überschäumenden musikalischen Witz, parodiert musikalische Formen und zitiert mitunter ganz frech Werke von "Kollegen" - wenn etwa die Anfangstakte von Beethovens Fünfter intoniert werden. Anlass für den reichen Orgon (großartig der Grazer Bassbariton Rupert Bergmann), ängstlich zu fragen, wer das denn sein könne, worauf die kecke Dienstmagd Marianne (Sopranistin Beatrice Louw) meint, wohl das Schicksal.“ (Harald Steiner. – in: Kleine Zeitung, 05.05.2002)

„Es sei eine der besten Inszenierungen seiner Oper gewesen, sagte der Komponist. Dem konnte der Angesprochene mit einem Gegenkompliment Paroli bieten: Selten habe er eine so witzige, mit der feinen Klinge der Ironie geführte, zeitgenössische Oper gehört.

Die Rede ist von der österreichischen Erstaufführung des "Tartuffe" von Kirke Mechem, der bis 11. Juni in der Wiener Kammeroper zu beschmunzeln ist. Zum Biegen komisch ist die 1980 in San Francisco uraufgeführte Oper, zu welcher der Komponist selber ein moliereskes Libretto geschrieben hat, das die Handlung um den scheinheiligen Erbschleicher konzentriert, der französischen Vorlage den Witz der englischen Sprache hinzufügt und in manchmal geradezu aberwitzigen Reimen und Wortschöpfungen herzhaftes Lachen auslöst.

Es wäre indessen falsch, diese komödiantischrespektlose Musik auf postmoderne Beliebigkeit zu reduzieren. Es ist genug Tiefe darin, um sie mit Menotti auf eine Stufe zu stellen; sie hat ihren Britten intus und ist insgesamt dem amerikanischen Idiom verpflichtet. Dass man solche Musik hierzulande wenig schätzt (und darum ignoriert) spricht höchstens gegen jene ignorante Einbildung, die als Kunst nur gelten lässt, was in tragische Tränen ausartet. Dass man in der Oper auch Tränen lachen darf, wissen nur sonnigere Kulturen.

Peter Pawlik hat dieses Werk mit leichter Hand und vielen der Musik kongenialen Einfällen inszeniert. Die Bühne (Astrid Behrens) ist ein wenig hallig, aber von wunderbarer Einfachheit, die Kostüme (Tanja Hausner) leisten einen wichtigen Beitrag zur Lebendigkeit der Personen. Sängerisch herrscht hohes Niveau. Und Daniel Hoyem-Cavazza holt den Geist der Komödie auch in den Orchestergraben. Ein solches Gesamtniveau wünschte man auch manch größerer Wiener Bühne.“

(Derek Weber. – in: Salzburger Nachrichten, 07.05.2002)