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Das emotionale Klima des Raga – Viktor Suslins neues Werk kommt in Asiago zur Uraufführung

Am 13. Juni 2002 feierte Viktor Suslin seinen 60. Geburtstag. Vom 8. bis 13. August 2002 wird seinem Schaffen im Rahmen des Asiago-Festivals in Italien in der Nähe von Vicenza ein großes Forum eröffnet. Zur Aufführung gelangen am 11. August u.a. das "Mobilis" für Violoncello solo und „Chanson contre raison“ für Violoncello und Klavier. Bereits am 9. August bringen Alexander Suslin (Kontrabass) und Friedemann Herz (Orgel) die neue Komposition „Raga“ für Kontrabass und Orgel von Suslin zur Uraufführung.

Suslin kommentiert das Werk:

„Das Wort Raga (von ranj = färben, röten; Sanskrit) hat eine historische und eine moderne Bedeutung. Der moderne Sinn des Wortes ist Empfinden, Gefühl, das die Musik demjenigen suggeriert, der sie wahrnimmt. In der traditionellen indischen Musik ist Raga eine Vokal- oder Instrumentalmusik in einem bestimmten Modus und mit einem sehr konkreten, emotionalen Ausdruck (z.B. gibt es einen Morgen-Raga, einen Abend-Raga, es gibt Sehnsuchts-, Leidens-, Liebes- und Leidenschafts-Raga usw.). Dabei sind der Charakter der Tongebung und die Art des Vortrags sehr wichtig, weil sie das emotionale „Klima“ des Raga bestimmen.

Außerdem verfügt Raga über eine sehr klare musikalische Form. In der Regel besteht sie aus einem ausgedehnten improvisatorischen Vorspiel und einem großen zweiten Teil, in dem der Rhythmus eine bedeutende Rolle spielt. Im Instrumental-Raga beginnt das solistische Melodieinstrument (z.B. die Sitar oder Veena) gewöhnlich im tiefsten Register, danach steigt die Melodie allmählich immer höher und erreicht am Schluss die höchsten Töne.

Derjenige, der mein Stück hört, wird sofort bemerken, dass zwischen meiner Musik und dem traditionellen Raga keinerlei äußerliche Ähnlichkeiten bestehen. Der Kontrabass gleicht gewiss nicht einem Sitar, und die Orgel ist kein Mridangham. Mich interessieren nicht die „Äußerlichkeiten“, sondern das innere Wesen des Raga und seine Form. Mir scheint, dass diese Gattung metaphysische und konstruktive Eigenschaften besitzt, die es – ohne das Wesen zu zerstören – erlauben, Instrumente und Modi zu verwenden, die nichts mit Indien zu tun haben.“