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Drei Magdalena-Stanzen für Klavier - Besprechung in PIANO NEWS 04/02

In der aktuellen Ausgabe der führenden Klavier-Fachzeitschrift PIANO NEWS (04/02) wird die Neuausgabe "Three Magdalena Stanzas" von Peer Nörgaard bei der Edition Wilhelm Hansen / Musikverlage Hans Sikorski wie folgt rezensiert:

Die „Three Magdalena Stanzas“ für Klavier solo entstanden auf Anregung der Pianistin Rosalind Bevan, die das Originalwerk für Altstimme und Klavier von 1992 oft begleitet und endlich den Komponisten gebeten hatte, eine Solo-Version daraus zu machen. Auch diese Instrumentalfassung ist mittlerweile mehr als vier Jahre alt und wurde nun beim renommierten dänischen Musikverlag Edition Wilhelm Hansen in einer Druckausgabe zur Veröffentlichung gebracht.

Peer Nörgaard, einer der führenden Avantgardisten Dänemarks, feierte am 13. Juli seinen 70. Geburtstag. Grund genug also für den Verlag, verborgene Schätze wie diesen zu heben und sie einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die beiden Lieder und das Intermezzo “Laengsel, Limbo & Opfyldelse“ für Bariton und Akkordeon beruhen übrigens auf der gleichen Textvorlage der Dichterin Hanne Groes wie die drei Stanzen. Diese wiederholte Auseinandersetzung damit ist insofern bemerkenswert, als Nörgaard in der Wahl seiner Texte ansonsten – er vertonte beispielsweise Arthur Rimbaud, Walt Whitman, Adolf Wölfli und Rudolf Steiner – recht sprunghaft und uneinheitlich verfährt. Hier beschäftigten ihn in rein instrumentaler Abstraktion also nochmals und gewissermaßen vertiefend die Begriffe Sehnsucht, Begegnung und Abschied, die ihn durch Groes’ Lyrik inspiriert haben.

Nörgaard notiert im ersten Satz der Übersichtlichkeit halber in drei Systemen. Von den Experimenten mit der Unendlichkeitsreihe, einer sich selbst durch Umkehrung nährenden Intervallfolge, oder einer Dialektik widerstrebender Materialschichten, die Nörgaard vor allem in den Werken der 80er Jahre leiteten, ist in diesen drei knappen „Liedern ohne Worte“ wenig zu spüren. An die Stelle solcher Konstruktionsideen tritt das Beziehungsgeflecht zweier zentraler Melodien als formbildende Methode. Alle drei Sätze sind überaus ruhig und nahezu pastellfarben in der Klanggestaltung. Der Satz ist ausgedünnt, und Nörgaard scheint bemüht, den melodischen Verlauf, wo er durch parallele Ereignisse gefährdet ist, kristallklar herauszuarbeiten. Eine verhaltene Dynamik, Charaktermerkmal der jüngeren Nörgaard-Werke überhaupt, ist auch hier bestimmend. Wenn der Vergleich auch hinken mag, so scheint Reduktion auf allen Parametern für Nörgaards Spätwerk vergleichbar bedeutsam zu sein wie für Alfred Schnittke Mitte der 90er Jahre. In der nicht gar so umfangreichen Literatur für Klavier solo dieses Komponisten nehmen die drei Magdalena Stanzen einen besonderen Stellenwert ein.

Angaben zur Edition:

Peer Nörgaard: Three Magdalena Stanzas for piano

Edition Wilhelm Hansen, Kopenhagen

WH 30477

ISBN 87 589 1035 1

(Vertrieb: Musikverlage Hans Sikorski, Hamburg)