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Neue Fassung von Michael Nymans Oper „Facing Goya“

wird in Karlsruhe uraufgeführt

Der britische Komponist Michael Nyman hat den dritten Akt seiner Oper „Facing Goya“ nach einem Text von Victoria Hardie komplett überarbeitet. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie ZKM Karlsruhe kommt das Werk am 19. Oktober 2002 am Badischen Staatstheater Karlsruhe zur Uraufführung.

In der Ankündigung des Theaters heißt es weiter:

„Die neuesten Nachrichten aus chinesischen Biotech-Labors lassen aufschrecken: Dort wurden 109 Embryonen aus der Hautzelle eines siebenjährigen Jungen und eines Kaninchens geklont (Spiegel 25/2002) – selbstverständlich alles nur zum Wohle der Menschheit. Die mühsame ethische Debatte in den vergangenen Monaten hinkt also mal wieder den biotechnischen Tatsachen hinterher. Wo ist medizinischer Fortschritt nützlich und sinnvoll? Wo überschreitet er die Grenzen des ethisch Vertretbaren? Die Brisanz der neuesten Forschung blieb bisher vom Musiktheater fein säuberlich ausgeklammert. Die Komponisten ließen sich nur an den immergleichen Konflikten von Liebe, Macht und Tod musikalisch inspirieren. Michael Nyman tritt dagegen mit seinem jüngsten Werk "Facing Goya" den Beweis an, dass die aktuelle Tagespolitik allemal für die Opernbühne taugt.

Vier Akte lang setzt er eine erfolgreiche Geschäftsfrau genau in das Zentrum der Diskussion. Um sie herum liefern sich vier Wissenschaftler einen gnadenlosen und grotesken Schlagabtausch: Forschung oder Ethik? Und die Unbeteiligte muss entscheiden, was mit dem Schädel von Goya geschehen soll. Darf man den Künstler aus dem erhaltenen biologischen Material klonen? Es keimt die Hoffnung, dass allein das wieder auferstandene Genie die Lösung des ethischen Dilemmas parat hat. Doch mit dem apokalyptischen Erscheinen des Malers platzen alle Träume...

Forschung und Ethik – der Konflikt ist in Wirklichkeit uralt. Die physiognomischen Schriften im 18. Jahrhundert, die Verbrecherlehre des 19. Jahrhunderts, die rassentheoretischen Abhandlungen der Nazizeit, die Gentechnik heute: Stets maßte sich die "neueste Forschung" an, über den Einzelnen aufgrund von körperlichen Merkmalen zu urteilen. Die Geschichte lehrt uns: Der Widerstreit zwischen medizinischem Fortschritt und moralischer Zurückhaltung nahm noch stets die schlimmstmögliche aller Wendungen."

Musikalische Leitung: Wolfgang Heinzel

Regie: Robert Tannenbaum

Ausstattung: Peter Werner

mit: Hillary Summers (Contralto), Annette Robbert (Sopran1), Wilja Ernst-Mosuraitis (Sopran2), Kenneth Garrison (Tenor), Christian Rieger (Bariton), Klaus Wallprecht (Goya), Badische Staatskapelle Karlsruhe