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Kurt Sanderling, der große Schostakowitsch-Dirigent, wurde 90

Volker Blech gratuliert dem Dirigenten Kurt Sanderling in einem Zeitungsartikel („Die Welt“, 19.09.2002) zum 90. Geburtstag und erinnert an seine wechselvolle Karriere:

„Jeder große Dirigent hat sein Lebenswerk. Bei dem einen ist es ‚sein’ Orchester, bei dem anderen ein bestimmter Komponist. Auf Kurt Sanderling, der am 19. September 2002 seinen 90. Geburtstag feiert, trifft beides zu. Das Berliner Sinfonie-Orchester (BSO) ist erst durch ihn zu einem ernst zu nehmenden Klangkörper herangewachsen, und Sanderling hat sich maßgeblich für das Werk Dmitri Schostakowitschs in der damaligen DDR eingesetzt. Keine leichte Aufgabe in einem Land von kulturpolitischen Hardlinern.

Aber dem im ostpreußischen Arys geborenen Sohn einer jüdischen Familie ist im Leben nichts geschenkt worden. 1931 beginnt er als Korrepetitor an der Städtischen Oper in Berlin, bekommt aber 1933 als Nichtarier Berufsverbot. Er wechselt zum Jüdischen Kulturbund Berlin-Charlottenburg. 1935 wird ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, auf Umwegen emigriert er in die Sowjetunion. Dort musiziert er sich schnell an die Spitze, wird Ko-Dirigent an der Seite von Mrawinsky bei den Leningrader Philharmonikern.

Es folgen entbehrungsvolle Kriegsjahre, das Elite-Orchester wird 1941 nach Nowosibirsk evakuiert. Dort lernt Sanderling auch den unter stalinistischem Druck leidenden Schostakowitsch kennen (...) Im Westen dirigiert Kurt Sanderling vor allem in den USA und Großbritannien, erst 1988, in Zeiten der inneren Auflösung der DDR, debütiert er bei den Berliner Philharmonikern. Nach dem Mauerfall wird der integere Dirigent in Ost und West hochgeschätzt. Erst vor vier Monaten hat sich der Altmeister vom Pult verabschiedet.“