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Ein neuer Komponist bei Sikorski: Xiaoyong Chen

Die Musikverlage Hans Sikorski haben einen neuen Komponisten. Der chinesische, derzeit in Hamburg lehrende Komponist Xiaoyong Chen wird ebenso wie die erst krzlich neu aufgenommenen Komponisten Johannes Harneit und Benjamin Yusupov von Sikorski vertreten.

Ich musste lang und tief ber unsere Welt, ber meine Musik, ber die allgemeine Problematik der Neuen-Musik-Szene nachdenken: Wir leben in einer Welt, in der die Menschen mit oberflchlichen Informationen berschttet werden. Ihre Aufmerksamkeit fr wichtige Informationen wurde dadurch abgeschwcht. Sie sind geistig ermattet und passiv geworden, so dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Fantasie frei zu entfalten. In der Musik ist es genauso.

Diese uerung des Komponisten gibt einen Einblick in seine kompositorische Entwicklung, die der ostasiatischen Philosophie sehr nahe steht, in der dem Eigenwert der Dinge und des Klangs eine viel grere Beachtung geschenkt wird als im westlichen Denken.

Wichtig wird fr ihn die maximale Entfaltung des Minimum, entscheidend ist nicht der Umfang des verwendeten musikalischen Materials, sondern dessen sensible Entfaltung mit neuen und unerwarteten Mitteln, um dem Zuhrer ein tiefes Erleben des Klanges zu ermglichen.

Chens Musik ist darber hinaus sehr stark mit Eigenschaften der chinesischen Sprache und Musik verbunden, was sich in ihrer subtilen Melodik spiegelt: kleinste nderungen, zeitliche Dehnungen, Intervallspreizungen und differenzierte Unterschiede der Dynamik prgen seine Kompositionen.

Ohne seine Wurzeln zu verleugnen, schreibt Chen jedoch weder eine rein chinesische noch eine rein europische Musik. Durch Offenheit, Neugierde und Aufmerksamkeit entsteht ein musikalischer Spannungsbogen zwischen Ost und West, der die unterschiedlichsten Hrer anspricht und neugierig macht.

Xiaoyong Chen wurde 1955 in Peking geboren, wo er zunchst Violine und von 1980 bis 1985 Komposition am Zentralkonservatorium studierte. Direkt im Anschluss daran absolvierte er bis 1989 ein Aufbaustudium bei Gyrgy Ligeti an der Hochschule fr Musik und Theater in Hamburg.

Sein Europa-Debt als Komponist feierte Chen 1987 bei den Donaueschinger Musiktagen mit der Urauffhrung des 1. STREICHQUARTETTS durch das Auryn Quartett. Im Jahre 1992 wurde das Orchesterwerk DYEH... als Auftragswerk des Sdwestfunks Baden-Baden uraufgefhrt. Im gleichen Jahr erhielt Chen den Kompositionspreis des Forums Junger Komponisten des WDR fr seine Komposition YN fr Sopran und 11 Instrumentalisten, die unter Peter Etvs mit dem Ensemble Modern in Kln aus der Taufe gehoben und danach in Leipzig und Dresden prsentiert wurde. Sein WARP fr Kammerensemble und das 1. STREICHQUARTETT gelangten im Rahmen einer Tournee der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen 1994 in Amsterdam und Wien zur Auffhrung. Seitdem besteht mit diesem Orchester eine intensive Zusammenarbeit, aus der drei Kompositionsauftrge hervorgingen: WARP (1994), EVAPORA (1996) und INVISIBLE LANDSCAPES (1998). Die Deutsche Kammerphilharmonie produzierte 1999 in Kooperation mit Radio Bremen die Portrait-CD Invisible Landscapes (welche in der Neuen Zeitschrift fr Musik in allen fnf Qualittskategorien mit der hchsten Punktzahl bewertet wurde). Ebenfalls 1999 schrieb er im Auftrag der Calouste Gulbenkian Foundation das Orchesterwerk INTERLACED LANDSCAPES, welches mit dem Orquestra Gulbenkian unter Muhai Tang auf einer Tournee durch China und Portugal sieben Auffhrungen erlebte. Im Jahre 2000 entstand die Komposition FUSION fr Ensemble im Auftrag des Cellisten Yo-Yo Ma fr dessen Silk Road Project. Im Juni 2002 wurde die Komposition XI-FUSION III fr Ensemble als Auftrag des Asien-Afrika-Instituts der Universitt Hamburg uraufgefhrt.

Xiaoyong Chen gehrt zu einer kleinen Gruppe von chinesischen Komponisten, die in der jngsten Zeit international groe Aufmerksamkeit erregt haben. Er arbeitete mit zahlreichen Orchestern und Ensembles zusammen: SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden, KBS-Symphony Orchestra Seoul, Orchestre Philharmonique de Radio France, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, National Symphony Orchestra of Taiwan, Gulbenkian Symphony Orchestra, Ensemble Modern, London Sinfonietta, Ensemble 2e2m Paris, Ensemble work in progress Berlin, Nieuw Ensemble Amsterdam, Silk Road Ensemble New York, Auryn-Quartett, Arditti String Quartet, Kairos-Quartett u.a.

Auffhrungen seiner Werke fanden mittlerweile in allen Kontinenten u.a. bei folgenden Festivals statt: Asian Music Festival und Pacific Music Festival in Japan, Dresdner Tage der zeitgenssischen Musik, ars nova des SWF, Asian Contemporary Music Festival Korea, MUSICARAMA - International Contemporary Music Festival of Hong Kong, Holland Festival, Wiener Graben-Fest-Tage, Festival Prsences von Radio France (Paris), Tage der Neuen Musik Hannover, Festival ARS MUSICA (Belgien), Weltmusiktage in Manchester (1998) und Hong Kong (2002), das neue Werk Hamburg, Festival unserer Zeit Mnster, Brahms Festival Lbeck, Internationale Ferienkurse fr Neue Musik Darmstadt, Tromp Muzick Biennale in Holland, Tage der Neuen Musik Wrzburg, Biennale der Neuen Musik Hannover, Tanglewood Festival (USA).

Gegenwrtig arbeitet Chen an mehreren Auftragskompositionen, darunter fr das ensemble acht (Hamburg), Art Point/ensemble Musica Temporale (Dresden), Sinfonieorchester Norrkrrping (Schweden), Sinfonieorchester von RTV Slovenje u.a.

Xiaoyong Chen erhielt 1993 den Christoph und Stephan Kaske-Preis in Mnchen und 1995 das Bach-Preis-Stipendium der Hansestadt Hamburg. Gastprofessuren fhrten ihn seit 1997 stndig nach Taiwan, Hong Kong und China. Chen ist seit 1987 als Lehrbeauftragter am Asien-Afrika-Institut der Universitt Hamburg ttig und lebt als freischaffender Komponist in Hamburg.