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Eine mythische Botschaft - Jan Müller-Wielands Violinkonzert

„Ballad of Ariel“ - Uraufführung in Berlin am 12.9.2002

Am 12./13./14. September 2002 werden der britische Violinist Daniel Hope und das Berliner Sinfonieorchester unter Wladimir Fedossejew das vom Konzerthaus Berlin in Auftrag gegebene Violinkonzert „Ballad of Ariel“ in Berlin zur Uraufführung bringen. Folgeaufführungen finden am 13. und 14. September 2002 am gleichen Ort statt.

Der Dramaturg Jens Schubbe sagt über die mythische Figur Ariel und Jan Müller Wielands neues Werk:

"In Shakespeares 'Sturm' ist Ariel ein phantastischer, gutmütiger Luftgeist, den sich der auf eine Insel verbannte Prospero zu Diensten gemacht hat und am Ende in Freiheit entlässt. Am Beginn von Goethes Faust II begegnet uns Ariel als Anführer jener Elfen, die Faust einen kathartischen Schlaf ermöglichen. 'Ariel' ist aber auch ein Band nachgelassener Gedichte von Sylvia Plath überschrieben, die 1963 ihrem Leben ein Ende setzte und in deren Texten gescheiterte Liebe, zerbrechendes Leben und Todesobsessionen nachhallen. Im Hebräischen bedeutet Ariel soviel wie 'Feuerherd Gottes' oder 'Löwe Gottes'. Im Alten Testament bezeichnet Ariel den obersten Teil des Brandopferaltars (Hesekiel 43,13ff) und wird zudem bei Jesaja als Synonym für Jerusalem gebraucht.

Ein weites Spektrum an Bedeutungen und Assoziationen lässt sich also mit jenem Namen verknüpfen, auf den Jan Müller-Wieland mit seiner Ballade für Violine und großes Orchester anspielt. (...) Amorph wirken die klanglichen Verlautbarungen am Beginn - Fragmente von Melodien, ein Kreisen um wenige Töne, oft dissonant gespannte Doppelgriffe. Diese Klänge sind aus einem Modus (einer Tonleiter) gewonnen, die an das sogenannte 'Zigeuner-Moll' erinnert, wie wir es aus ost- und südosteuropäischer Musik kennen. Das Orchester - gleichsam die instrumentale Welt repräsentierend - und ein in der Höhe postierter Blechbläserchor antworten auf den fernen Gesang Ariels 'euphorico' mit weit ausholenden melodischen Bögen, einem markanten rhythmischen Motiv, insistierend wiederholten Tönen und Akkorden sowie ostinaten Figuren und Skalen. (...) Die Begegnung Ariels mit der Welt vollzieht sich im zentralen Teil des Werkes, der nach einer kadenzartigen Überleitung in ruhigem Tempo einsetzt."