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Gen-Tech-Oper und episches Theater: Nymans „Facing Goya“ in Karlsruhe

Zur Uraufführung der vieraktigen Oper „Facing Goya“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe am 19. Oktober 2002 schreibt Frieder Reininghaus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (24.10.2002):

„(...) Mit dieser 2000 in Santiago de Compostela teilerprobten, nun in erweiterter und überarbeiteter Form am Staatstheater Karlsruhe aufgeführten Kammeroper nahm die Idee einer Gen-Tech-Oper Kontur an: episches Theater, säuberlicher Zettelkasten und abwägende Überlegungen zu Geschichte und Gegenwart der Menschenzüchtung; ein großer Parcours mit moralisch getönter Schlußwendung. (...) Zu elegischen Streicher-Einblendungen wird von der Exhumierung des kopflosen Goya-Skeletts in Bordeaux berichtet. Das Orchester spielt durchaus live, aber im Probenraum; steuert das Seine also nur durch Filter, Verstärker und Verfremdungskatalysatoren des Mischpults bei: ein ununterbrochenes Flöten und Geigen, zeitweise bestimmen dann auch solistische Blechbläser das instrumentale Terrain, das – bis auf wenige Ausweichungen in diffuse Atonalität – streng harmonikal begrenzt bleibt. (...) Der Maler, der zuvor nur in Gestalt eines seiner Werke, der „Nackten Maja“, und als abgeschabter Schädel präsent war, bricht im vierten Akten leibhaftig durchs Parkett. Er turtelt mit Hilary Summers, der als Kunsthändlerin deklarierten Altistin, um die herum die ganze Geschichte gestrickt wurde, und verlangt Urheber- und Patentrechte an seinem genetischen Material Dagegen ist schlechterdings nichts einzuwenden. Die Forderung fügt sich in die moderate Kritik der Kommerzialisierung von Kunst und Wissenschaft, die zuvor schon aus dem intensiv Dur-getönten Klangband funkelte. Ein Klang-Kontinuum aus ausschließlich aus historischen Versatzstücken. (...)