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Kraft der Einzeltöne: Begeisterte CD-Rezension

in der Neuen Musikzeitung

Bei Art Nova/BMG erschien vor kurzem die CD „Musik aus Tadschikistan, Georgien, Aserbaidschan und Armenien“ (Arte Nova/BMG 74231 82556 2). Enthalten ist u.a. die 3. Sinfonie von Awet Terterjan, das Stück „Nola“ von Benjamin Yusupov und das Orchesterwerk „... à la Duduki“ von Gija Kantscheli, gespielt von den Dresdner Sinfonikern unter Michael Helmrath.

In der aktuellen Ausgabe der Neuen Musikzeitung (Oktober 2002) hat Mátyás Kiss eine Rezension veröffentlicht, die wir in Ausschnitten zitieren wollen:

„Ungewöhnlich ... schon deswegen, weil Musik aus so entlegene Weltgegenden, die mehr durch kriegerische Vorfälle als durch kulturelle Leistungen in die Schlagzeilen zu geraten pflegen, bestenfalls von landeseigenen Interpreten aufgeführt und (seltener) auf Tonträger festgehalten werden. Die Ausnahme von der Regel bildet der längst berühmte, aus dem georgischen Tiflis stammende Gija Kantscheli: Dessen „... à la Duduki“, eine düstere Trauermusik voll schroffer Dynamiksprünge, spielt auf ein Oboeninstrument an, das „den Klang der menschlichen Seele assoziiert“. Wie der Vergleich mit der Studioversion bei ECM zeigt, bringen die Dresdner das monolithische Stück erstaunlich verlustfrei über die Rampe (...)

Die dritte Sinfonie des Armeniers Awet Terterjan (1929-94) gelangt hiermit ein drittes Mal zu diskografischen Ehren: Außer der aus der türkischen Musik geläufigen Zurna erklingt hier das bei Terterjans Freund Kantscheli beschworene Duduk ganz real. In eklektischer, jedoch ganz eigenständiger und fesselnder Manier versetzt Terterjan archaische Klänge in den Kontext avancierender Verfahren wie Cluster oder Aleatorik – im Vertrauen auf die Kraft der Einzeltöne, die sich umso suggestiver entfalten können, als sie von schweren Schlagwerkgewittern flankiert werden.

Aus einem Gebiet viel weiter östlich stammt der auch deutlich jüngere Tadschike Benjamin Yusupov (geb. 1962), der mit „Nola“, einem Konzert für verschiedene Flöten und Streichorchester von 1994, erstmals in westliche Kataloge einzieht. Durch raffinierten Mikrofoneinsatz – ein wenig wie im Spätwerk Luigi Nonos – erscheinen die Töne und Spielgeräusche der Flöte wie unter einer elektroakustischen Lupe und entfalten eine quasi orchestrale Klangfülle, was einen packenden Dialog mit dem wirklichen Orchester ermöglicht."