Hochgelobte ECM-Neuerscheinung mit Musik von Valentin Silwestrow
Das Rosamunde-Quartett, Maacha Deubner (Sopran), Silke Avenhaus und Valentin Silwestrow selbst (Klavier) haben Werke des aus der Ukraine stammenden Komponisten bei ECM (ECM 1776) eingespielt. Das Presse-Echo ist ganz fulminant. Wolfgang Rathert schreibt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (23.11.2002):
„(...) Paradoxerweise liegt diese Qualität seiner Musik nicht in komplexen und aufwendigen technischen Mitteln begründet, sondern im Gegenteil im bewussten Rückgriff auf scheinbar traditionalistische, ja neoromantische Positionen seit Silvestrovs Neuorientierung zu Beginn der siebziger Jahre. Der Vorwurf des Reaktionären und der Ignoranz des berühmt-berüchtigten ‚historischen Stands des Materials’ ist da nicht weit. Er entpuppt sich jedoch als wenig haltbar, zumal Silvestrov in seinen früheren Werken demonstriert hatte, wie souverän er die avantgardistischen Techniken beherrscht. Dann aber hat er ‚die’ Tradition (die in Wahrheit immer eine ganz persönliche des einzelnen Künstlers ist) in dialektischer Weise ausgehöhlt und die Klänge wieder auf einen verloren geglaubten Urgrund elementarer Erfahrung und Wahrnehmung zurückgeführt. Obwohl Silvestrov dafür die Tonalität in allen ihren historischen Erscheinungsformen als wichtigstes Mittel einsetzt, ist sie nicht mit diesem Urgrund identisch; vielmehr ist es die Rückeroberung einer Ausdrucksmagie der Musik, die schon die Antike ihr zuschreibt. Silvestrovs Musik ist freilich nicht gefällig, sie verlangt von Hörern und Interpreten ungewohnte Anstrengungen und die Bereitschaft, sich einer irrealen Klanglandschaft zuzuwenden, in der man versinken kann und die dennoch zur Reflexion zwingt. (...)
Die vorliegende CD versammelt vier repräsentative Kammermusik-Werke aus den Jahren 1974 bis 2001: das erste Streichquartett, drei Postludien für eine variable vokalinstrumentale Besetzung, die monumentale Cello-Sonate und die von Silvestrov selbst gespielte ‚Hymne 2001’ für Klavier. Die Ausführenden sind kongeniale Interpreten, deren intensive Zusammenarbeit mit dem Komponisten in jedem Moment hörbar wird. Ihre Leistung macht die CD im Verbund mit dem subtilen Essay Tatjana Frumkis’ und der exzellenten, dem Charakter dieser Musik vollkommen entsprechenden Aufnahmetechnik zu einer der wichtigsten Veröffentlichungen dieses Jahres.“
