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Ein munteres Dramolett in Berlin: Schostakowitschs „Nase“

Dmitri Schostakowitschs geniales Frühwerk, die Oper „Die Nase“ nach der grotesken Novelle von Nikolai Gogol, hatte am 16. November 2002 eine gefeierte Premiere an der Deutschen Staatsoper Berlin. In der Rolle des Assessors Kowaljow, dessen Nase ein bedrohliches Eigenleben entfaltet, war der dänische Bassbariton Sten Byriel zu erleben, die musikalische Leitung hatte Kent Nagano.

Barbara Möller rezensierte die Aufführung im Hamburger Abendblatt (18.11.2002) mit folgenden Worten:

„’Kann’, hat ein russischer Kritiker 1930 nach der Uraufführung von Dimitri Schostakowitschs Dreiakter ‚Die Nase’ empört gefragt, ‚eine alberne Anekdote einen fortschrittlichen Arbeiter interessieren?’ Dumme Frage in der noch jungen Sowjetunion. ‚Natürlich nicht!’ Und weg war ‚Die Nase’ für 44 Jahre. Erst auf einem langen Umweg über Düsseldorf (1957), Ostberlin (1969) und München (1971) hat das originelle Stück 1974 in die Sowjetunion zurückgefunden. Den späten Triumph an der Moskauer Kammeroper hat Schostakowitsch noch miterlebt.

Staatsopernintendant Peter Mussbach (Regie) und der Düsseldorfer Malerfürst Jörg Immendorff interpretieren das einstige Avantgarde-Stück, dem eine Gogol-Novelle als Vorlage diente und das 1930 als sarkastische Spiegelung der sowjetischen Verhältnisse verstanden wurde, jetzt munter als Dramolett männlicher Kastrationsängste. Bei ihnen kommt dem Assessor Kowaljow (glänzend: der dänische Bassbariton Sten Byriel), der die Tochter der Podtotschina heiraten soll, nicht die fortan verzweifelt gesuchte Nase abhanden, sondern ein ganz anderer Körperteil. Was man daran erkennen kann, dass dem armen Mann bis zum Happy End ein giftgrünes Feigenblatt am Anzug klebt. (...) Musikalisch war es eine großartige Wiederentdeckung (Dirigat Kent Nagano). Da hat man mal wieder gehört, dass Schostakowitsch, der für "Die Nase" unter anderem das erste wirkliche Schlaginstrumenten-Solo geschrieben hat, einer der genialsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gewesen ist."