Komponistensuche

Suche nach Nachnamen

Detailsuche

Repertoiresuche

Katalogsuche

„Extrem Bescheidenes muss es sein ...“ – Read Thomas über ihr neues Werk

Das Uraufführungsereignis in der Hamburger Musikhalle am 15. November 2002 fand ein großes Presse-Echo bereits im Vorwege. Mit der amerikanischen Komponistin Augusta Read Thomas sprach Tom R. Schulz („Die Welt“, 15.11.2002) nach der Generalprobe ihres Werkes „Chanting to Paradise“:

„... als ich über dem Notenpapier saß, wurde ich ziemlich beklommen. Was, dachte ich mir, kann man denn als Komponist nach den acht Takten des ‚Lacrimosa’ aus Mozarts Requiem, diesem Herzstück der abendländischen Musik, überhaupt schreiben?’ Etwas extrem Bescheidenes musste es sein, und etwas sehr Bescheidenes und dabei ziemlich Großartiges ist es auch geworden. Read Thomas’ Werk schließt sich zugleich an Mozart an und kann doch auch für sich stehen, wie ein modernes Gebäude, das ein guter Architekt neben ein altehrwürdiges Haus aus dem vorvorletzten Jahrhundert stellt. (...) ‚Dies ist gewiss das einfachste Stück Musik, das es von mir gibt. Ich wollte, dass es auch weniger begnadete Orchester als die NDR-Sinfoniker spielen können. Es ist einfach, aber nicht einfältig’, sagt Augusta Read Thomas. Wer der zarten Person mit den blauen Augen und den ausgeglichenen Gesichtszügen gegenübersitzt, der sieht, dass das Pompös-Auftrumpfende, die genialische Geste des schöpferischen Geistes ihre Sache nicht ist. Dabei zählt Augusta Read Thomas zu den bemerkenswertesten Komponisten ihrer Generation. Seit fünf Jahren ist sie Composer in residence beim Chicago Symphony Orchestra, Koryphäen wie Pierre Boulez, Daniel Barenboim und Oliver Knussen haben Werke von ihr uraufgeführt. (...) ‚Chanting to Paradise’ ist ein Stück, bei dem sich Read Thomas den Hörer vorstellt wie jemanden, der eine Fernbedienung in der Hand hält: ‚Die Teile sind sehr kurz, sie haben starke Kontraste, so wie fünf unterschiedliche Fernsehprogramme. Zack!, schon ist das nächste Bild da (...)“

Joachim Mischke schreibt im Hamburger Abendblatt (15.11.2002):

„’Auf meinem inneren Tonband kann ich meine Stücke komplett hören’, beschreibt Read Thomas die Situation, die sie seit ihrer Kindheit schon so oft durchlebt hat. Sie kam zum Komponieren wie andere laufen lernten. (...) Im Gespräch mit ihr wird schnell klar, dass ihre kreative Hochtourigkeit ebenso beinhart wie kompromisslos ist. Alles, was sie vor ihrem 25. Lebensjahr komponierte, und das war nicht wenig, hat sie damals von ihrem Verleger zurückgefordert und verbrannt. Es war ihr nicht mehr gut genug. 'Musik ist mein Leben, ich habe kein anderes. Das mag alles kitschig und extrem klingen, aber ich würde lieber sterben als nicht komponieren zu können.'"