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Comeback der dänischen Klassik

Begleitend zum Festival MAGMA 2002 in Berlin (Festival of Contemporary Nordic Music), in dessen Rahmen nordische Klänge und nordische Musik auf vielfältige Weise einem interessierten Publikum vorgestellt wird, ist in der Zeitschrift „Kennzeichen DK – Mitteilungen aus und über Dänemark“ (Berlin, November 2002) der Artikel „Comeback der Dänischen Klassik“ von Hans-Ulrich Duffek erschienen. Auszüge des Textes können Sie hier lesen:

„Während Dänemark schon seit Jahrzehnten für viele Deutsche als klassisches Urlaubsland gilt, ist das Interesse der Deutschen an dänischer Kunst und Kultur bis in die 90er Jahre hinein eher unterentwickelt gewesen.

So ist es nun interessant zu beobachten, dass sich gerade im Verhältnis zu unserem nördlichen Nachbarn seit Mitte der neunziger Jahre einiges zu verändern scheint. Als Musikverlag, der seit nunmehr dreizehn Jahren den Kopenhagener Verlag Edition Wilhelm Hansen in den deutschsprachigen Ländern vertritt und in dieser Eigenschaft bestrebt ist, dänische Musik im kulturellen Leben jener Länder zu etablieren, können wir feststellen, dass Musik aus Dänemark eine zunehmende Rolle in den Opern-, Konzert- und Rundfunkprogrammen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz spielt. Allein im Bereich Oper und Sinfoniekonzert verzeichnen die Statistiken seit 1995 mehr als 1000 Aufführungen von Werken dänischer Komponisten (von Nielsen bis zu den Zeitgenossen). Jüngster Glanzpunkt in dieser Entwicklung ist der Kompositionsauftrag des Berliner Philharmonischen Orchesters an Poul Ruders, den Preisträger der Cannes Classical Awards 2002, anlässlich der Nordischen Musiktage, die unter dem Titel MAGMA2002 in diesem Jahr in Berlin, und damit erstmals außerhalb Skandinaviens stattfinden. Wenngleich es noch keinen Anlass gibt, angesichts der steigenden Aufführungszahlen bei dänischer Musik zu vermuten, man könne nunmehr in Deutschland bereits mit den Aufführungszahlen spanischer, italienischer, französischer oder amerikanischer Musik mithalten, so scheint doch eine Entwicklung eingeleitet worden zu sein, die, sofern die Zeichen nicht trügen, noch nicht an ihr Ende gekommen ist und weitere Fortschritte verspricht. Forscht man nach den Gründen für diesen deutlichen Trend, so zeigt sich sehr rasch, dass dafür eine Vielzahl von Faktoren verantwortlich ist, die hierbei in positiver Weise zusammenwirken.

An erster Stelle wäre hier sicherlich die Neu-Entdeckung des Schaffens von Carl Nielsen zu nennen. Nachdem es Herbert von Karajan zu seinen Lebzeiten nicht gelungen war, den großen dänischen Sinfoniker in Deutschland zu etablieren, geschah dies wie von selbst in den neunziger Jahren – und zwar weniger durch Dirigenten, die dem klassisch-romantischen Repertoire verhaftet waren, als vielmehr durch Musiker, die Nielsen aus dem Blickwinkel des späten 20. Jahrhunderts als frühen Modernen neu für sich entdeckten. So erhielten die Sinfonien Nielsens allmählich einen festen Stammplatz in den Programmen der sinfonischen Konzerte deutscher Orchester, und seine Oper „Maskerade“ erlebte 1993 und 1994 ihre späte Erstaufführung in Österreich (Innsbruck) und Deutschland (Kassel). Und natürlich blieb es nicht aus, dass man sich zunehmend auch dafür interessierte, welche Musik Dänemark in der Nachfolge Nielsens hervorgebracht hatte. Hilfreich für diese Nielsen-Renaissance war natürlich auch der veränderte musikalische Zeitgeist, der sich seit den achtziger Jahren langsam von der strengen Avantgarde der Nachkriegszeit abwandte und sich wieder zu anderen Ausdrucksformen der Moderne bekannte, wie sie im 20. Jahrhundert insbesondere außerhalb Deutschlands entwickelt worden waren. (...)

Eine nicht zu unterschätzende Wirkung hatte auch die Wahl Michael Schønwandts zum Chefdirigenten des Berliner Sinfonie-Orchesters, das im Ostteil Berlins beheimatet ist. Dieser stellte zum Beispiel Poul Ruders‘ 1. Sinfonie mit großem Erfolg erstmals dem deutschen Konzertpublikum vor. Einige wenige junge dänische Dirigenten bekamen nun Engagements in Deutschland und Österreich, und dänische Neue-Musik-Ensembles bereisten die Konzertsäle ihrer südlichen Nachbarländer, wobei sie immer wieder zeitgenössische Werke aus ihrer Heimat mitbrachten. Denkwürdig war in diesem Zusammenhang beispielsweise die schweizerische Erstaufführung von Per Nørgaards Oper "Die göttliche Kirmes" am Stadttheater St. Gallen im Oktober 1995 unter der Leitung von Kaare Hansen. Auch die vielen Auftritte des Dänischen Radio-Sinfonieorchesters in den letzten Jahren insbesondere in Deutschland und Österreich sind in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen. Eine Intensivierung der Gastspieltätigkeit dänischer Solisten, Dirigenten, Ensembles und Orchester könnte der Verbreitung der dänischen Musik in Deutschland ohne Frage weiteren Auftrieb verleihen.

Nachdem sich bereits 1981 mit einer Auftragssinfonie eine Verbindung zwischen Per Nørgaard und dem Norddeutschen Rundfunk ergeben hatte, die aber zunächst folgenlos blieb, scheint der Sender mittlerweile die sich auch aus seiner geographischen Lage nachgerade ergebende Pflicht der Vermittlung der dänischen Kultur erkannt zu haben. Er setzt verstärkt Musik unserer nördlichen Nachbarn in seinen Programmen ein und beteiligt sich maßgebend an kulturellen Aktivitäten, die – wie das ausgesprochen erfolgreiche Festival „Dänemark in Hamburg“ im Jahre 2000, bei dem auch an die alte Verbindung zu Per Nørgaard angeknüpft wurde – Kunst und Kultur Dänemarks thematisieren. Auch das mittlerweile von dem NDR-Musikchef Rolf Beck geleitete Schleswig-Holstein Musik Festival verstand sich seit seiner Gründung im Jahre 1987 stets auch als Mittler zwischen Deutschland und seinen nördlichen Nachbarländern, was sich unter anderem in zahlreichen Aufführungen von Werken dänischer Komponisten niederschlug. Übrigens hat die Zusammenarbeit zwischen den Orchestern der deutsch-dänischen Grenzregion bereits eine gute und lange Tradition. (...)“