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Seit Schostakowitsch hat sich die musikalische Welt verändert – Peter Jonas über die Musik des 20. Jahrhunderts

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Das Orchester“ (05/03) ist eine Gespräch von Bettina Hölscher mit Sir Peter Jonas, dem Intendanten der Bayerischen Staatsoper München zur Veröffentlichung gelangt (S. 8-14). Jonas sagt dort unter anderem:

„(...) Seit Schostakowitsch hat sich die ganze musikalische Welt stark verändert. An der Situation, wie sie sich heute darstellt, sind nicht die Komponisten schuld, sondern das ‚Dritte Reich’. In dieser Zeit gab es in Deutschland Komponisten, die Mitglieder der Theater- und Orchesterlandschaft waren, wie z.B. Goldschmidt und Korngold. Sie wurden vertrieben. Gleichzeitig hat Stalin in Russland Schostakowitsch einen Maulkorb verpasst. Ich finde das Gedankenspiel faszinierend, was hätte passieren können, wenn Korngold und Goldschmidt in Deutschland in den Opernhäusern geblieben wären, sie haben ja alle dort als Repetitoren oder Dirigenten gearbeitet, oder wenn Schostakowitsch nach ‚Lady Macbeth von Mzensk’ noch sieben Opern geschrieben hätte. Diese Oper könnte ein Beispiel für eine zu dieser Zeit moderne und gleichzeitig auch verständliche und populäre Musiksprache sein. Aber nein, stattdessen kam das Verbot der ‚Entarteten Kunst’, da kam etablierte Reichskunst, Reichsmusik, die banal war. Nach dem Kriege geschah dann eine Art Revolution. (...) Die Musik ist in einen Richtung gegangen, hat sich entfernt von der Sprache des Publikums, was bis zu einem gewissen Grad ja auch in Ordnung ist, aber sie hat sich so weit entfernt, dass sie jetzt für normale Menschen auf der Straße wirklich schwer zu verstehen ist. Wir vergessen, dass die musikalischen Entwicklungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Werken des Broadway-Komponisten Stephen Sondheim enthalten sind, aber als ernsthafter populärer Komponist bleibt er nur eine exzentrische Stimme.“