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„Ton und Tanz verschmolzen“: Stephan Marc Schneiders neue Ballettmusik

Zur Balletturaufführung von „Bernarda Albas Haus“ mit der Musik von Stephan Marc Schneider am 14. Juni 2003 am Theater Vorpommern Greifswald schreibt Philip Rössner in der Ostsee-Zeitung (16.06.2003:

„(...) Die jüngste Ballettproduktion des Theaters Vorpommern zeigt in vielerlei Hinsicht das herausragende Profil des Choreografen Ralf Dörnen: Sein Interesse für tragische Stoffe und die Fähigkeit, sie wie neu zu erzählen. (...) Viel Respekt war auch bei ‚Bernarda Albas Haus’ von Federico García Lorca zu spüren, nur dass hier alle Vorzeichen vertauscht waren. Die Musik, nuancenreich, weich und freiräumig von dem jungen Komponisten Stephan Marc Schneider für diese Uraufführung komponiert, verschmolz geradezu mit der Handlung. Wie Ton und Tanz hier korrespondierten und einander potenzierten, ist beispielhaft. Besser, so die Empfindung, lässt sich Neue Musik gar nicht genießen. Und sinnfälliger können Dörnens Bilder für den Wahn, der den Menschen treibt, nicht gefasst werden als mit den Klangfolgen, die Schneider mit hochbegabter Intuition gelungen sind. Das Orchester unter Koji Kawamoto lief dabei zur Hochform auf, und auf der Bühne entfaltete sich die Szenerie: Eingesperrt, nur die Älteste einem künftigen Gatten zugeteilt, rotieren fünf Töchter um den patriarchalischen Zorn. Die Brutalität, mit der die Grenze des Erträglichen von vornherein überschritten ist, drückt sich in soldatischen Reflexen und körperlichen Ticks der Unterdrückten, und vor allem in ihren explosiven, schweigsamen Blicken aus. Nach der subtil erzählten Auftaktsituation, tänzerisch und individuell packend dargestellt (herausragend Daniel Morales Pres und Sylvania Pen) kommt der tragische Ausgang allerdings schnell und absehbar. Dass sich Ralf Dörnen hier so werktreu gibt, das berühmte Theaterstück quasi abfotografiert, bleibt eine Tugend.“