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„Dieses Ballett hat mit meinem Leben zu tun“: John Neumeier über die Arbeit mit Lera Auerbach

Anlässlich der Premiere von „Préludes CV“ am 22. Juni 2003 an der Hamburger Staatsoper hat Monika Fabry ein Interview mit dem Ballettdirektor John Neumeier geführt, das im Hamburger Abendblatt (20.06.2003) zur Veröffentlichung gelangt ist.

ABENDBLATT: Was bedeuten eigentlich die Initialen "CV" im Titel Ihres neuen Balletts?

JOHN NEUMEIER: "Cello Violine" und "Curriculum Vitae", weil dieses Ballett mit meinem Leben und dem der Tänzer zu tun hat. Es sind Lebenssplitter, innere Monologe, Momentaufnahmen.

ABENDBLATT: Was macht dieses Ballett so ungewöhnlich gegenüber Ihren anderen Arbeiten?

JOHN NEUMEIER: Das Ballett hat in der Dramaturgie weder eine Geschichte noch einen Mythos noch eine literarische Grundlage. Es hat mit sehr individuellen Menschen zu tun, die teilweise die Namen meiner Tänzer tragen, und diesen Tänzern habe ich spontane, scheinbar willkürliche, wie collagiert wirkende Interaktionen aufgegeben, die sie aus ihrer Persönlichkeit heraus so interpretieren, dass selbst ich vieles nicht verstehe. Erst durch das Betrachten formt sich ein Ganzes, oder auch nicht. Das bleibt jedem selbst überlassen. Für die Tänzer, die an einen festen Kanon gewöhnt sind, ist es verdammt schwer, meiner Forderung nachzukommen.

ABENDBLATT: Dieses Stück ist so individuell auf 17 erste Solisten und Solistinnen Ihrer Compagnie zugeschnitten, dass es schwer fällt, zu glauben, dass es auf andere Tänzer übertragbar ist.

NEUMEIER: Das ist nicht das Problem. Es könnte nur sein, wenn die Sparmaßnahmen noch drastischer werden, dass es gar nicht mehr möglich ist, ein Stück mit so vielen Solisten aufzuführen.