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„Eine abenteuerliche Reise zu Fuß“ - Auerbachs Hamburg-Debut

Am 22. Juni hat John Neumeiers neues Ballett „Préludes CV“ an der Hamburgischen Staatsoper Premiere. Die Komponistin Lera Auerbach wird selbst in Hamburg anwesend sein und auch den Klavierpart ihres neuen, extra zu diesem Anlass entstandenen Werkes übernehmen.

Unter dem Titel "Eine abenteuerliche Reise zu Fuß" schreibt Irmela Kästner in der Zeitung „Die Welt“ (16.06.2003) darüber:

„Für Lera Auerbach ist es das erste Mal, eine ihrer Kompositionen im Tanz zu neuem Leben erweckt zu sehen. John Neumeier erinnert die Begegnung mit der im russischen Tscheljabinsk geborenen Komponistin an seine Zusammenarbeit mit Alfred Schnittke. ‚Es ist das gleiche Verständnis, die gleiche Sensibilität, die ohne Worte auskommt’, schwärmt Hamburgs Ballettintendant. ‚Ich hatte das Gefühl, Lera Auerbach schon ewig zu kennen, als ich ihre Musik hörte.’ Der Ausdruck purer Menschlichkeit, fährt der Choreograf fort, habe ihn beeindruckt. ‚Ganz offensichtlich spiegeln sich in der Musik meine eigenen Erfahrungen wieder, Erinnerungen an Menschen, an Beziehungen, an die verschiedenen Gesichter von Leuten, die ich kenne.’ Und Lera Auerbach gibt zu, dass ihr die Tränen kamen, so direkt habe die Choreografie ihr vor Augen geführt, was sie auf musikalischer Ebene intendierte. ‚Préludes CV’ zeigt zum Auftakt der 29. Ballett-Tage am 22. Juni in der Staatsoper zwei neue Ballette von John Neumeier zu musikalischen Uraufführungen zweier Kompositionen von Lera Auerbach. Die ‚24 Préludes für Cello und Klavier’ hat die Komponistin, Schriftstellerin und Pianistin John Neumeier gewidmet. Das zweite Stück des Abends, ‚24 Préludes für Violine und Klavier’, dem Violinisten Vadim Gluzman und der Pianistin Angela Yoffe, die es in Hamburg interpretieren werden. Gluzman, der schon in Neumeiers ‚Bernstein Dances’ die Solovioline spielte, war schließlich der Anstifter des Projekts. Schon immer sei es ihr Traum gewesen, mit einem Choreografen zu arbeiten, gesteht Lera Auerbach. Ihre ersten Erfahrungen mit den Bühnenkünsten sammelte sie bereits im jungen Alter von zwölf Jahren, als ihr damaliger Lehrer die Frist für eine Opernkomposition nicht einhalten konnte und den Auftrag kurzerhand an seine Schülerin weitergab. Die Oper nach Märchenmotiven tourte durch die gesamte Sowjetunion. Mit 14 Jahren publizierte das Allroundtalent Auerbach ein erstes Buch mit Poesie und Prosatexten. 1991 entschied sie nach einem Konzert in den USA spontan, nicht in die damalige Sowjetunion zurückzukehren. Das angebotene Stipendium der Juilliard School wollte sie sich nicht entgehen lassen. Lera Auerbach spricht von einer gelungenen Transformation, John Neumeier nennt es Metamorphose. Eine Wandlung, die sich auch durch die Charaktere seiner Tänzerfiguren zieht. Die Motivation für die choreografierten Aktionen haben die Tänzer zuweilen selbst für sich herausfinden müssen, erläutert Neumeier. ‚Ich habe ihnen die Freiheit gegeben, damit zu experimentieren.’ So wird jede Aufführung zu einer erneuten Entdeckungsreise, zu einem Abenteuer. Und die Lust auf Abenteuer, sagt Neumeier, habe er bei den diesjährigen Bewerbern für den Prix Dom Pérignon sehr vermisst. Zum dritten Mal wird der Wettbewerb für den europäischen Choreografennachwuchs während der Ballett-Tage ausgetragen. Außerdem wird der Preisträger von 2001, Gustavo Sansano, ein neues Stück vorstellen. Einen Querschnitt durch die zeitgenössische Choreografie zeigt das Gastspiel des ‚Ballet du Grand Théâtre de Genève’ mit Stücken von Mark Morris, Giorgio Mancini, Saburo Teshigawara. Die abschließende Nijinsky-Gala steht im Gedenken an Rudolf Nurejew mit Gästen des Balletts der Pariser Oper und dem Bolschoi Ballett aus Moskau weit gehend im Zeichen klassischer Tradition.“