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„Eine außergewöhnliche Aufführung“: „Celan“ von Peter Ruzicka in Mainz

„Den dunklen Ton seiner hermetischen Sprache“, schreibt Ingrid Hermann in der Fachzeitschrift „Das Orchester“ (Ausgabe 6/03, S. 45/46) anlässlich der Neuinszenierung von Peter Ruzickas Oper „Celan“ in Mainz, „kann man nicht in Musik umsetzen. Der Musik nahe stehend sind es andere, ganz eigene Schwingungen, die aus den Versen sprechen. Peter Ruzicka hat mit seinem Librettisten Peter Mussbach den Dichter in den Mittelpunkt einer Oper gestellt, er hat Celan gedeutet, Hinweise gegeben und die Person gespalten, was auf schizoide Züge schließen lässt, auch wenn die beiden Gestalten nur zwei Alterstufen darstellen. Da werden in sieben Entwürfen, die wiederum in Szenen aufgegliedert sind, Lebensmomente herausgegriffen, die Plastizität gewinnen und wieder versinken. Die Nähe zu den politischen Ereignissen wie dem Irak-Krieg gewinnt eine von den Autoren seinerzeit unbeabsichtigte brennende Aktualität, die sich in vielen Details – Wahnvorstellungen mit antisemitischem Hintergrund – niederschlagen.

Peter Ruzickas Musik umfängt den Dichter in vielerlei Weise. Es sind Skelettierungen, die in einer Art Sprechgesang über durchgehörtem, farbig-intensivem Schlagzeug Realität gewinnen. Dagegen steht eine gewaltige Kraftentfaltung, harte Schläge, die den KZ-Ängsten und dem inneren Geschehen in der Seele Celans entsprechen, ihn zu zerreißen drohen. Im mittleren Entwurf dieser von Ruzicka intendierten Spiralform – ‚Das Grauen – bildlose Welten ferner Gewissheit’ – steht ein zunächst textloser, kontrastreich gebauter Chor, der in das vielfach wiederholte Wort ‚Jerusalem’ mündet, um am Ende wieder im Textlosen zu versiegen. Die Musik gewinnt durch ununterbrochenen Taktwechsel innere Bewegtheit. Gegen Ende berührt sie tonale Gefilde, die jedoch nur annähernd erreicht werden. Vielleicht mag man darin ein Moment der Versöhnung erkennen, der Erlösung aus inneren Kämpfen und Spannungen. Am Schluss wird das Biografische völlig zurückgedrängt. Alles scheint in Auflösung begriffen, und die Musik verebbt nach einem lang ausgehaltenen forte-fortissimo-Ton wie ein Schicksal, das im Dunkel erlischt. (...)“