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„Das Selbst, die Natur und Gott“ – Gubaidulina porträtiert

Einen umfangreichen Nachbericht zum Komponistenporträt für Sofia Gubaidulina beim Rheingau Musik Festival am 3. Juli hat Achim Heidenreich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (3.7.03) veröffentlicht. Der Autor leitet seine Konzertkritik mit folgenden Worten ein:

„Ihr Vater lehrte sie, die Stille zu hören. Die in der Tatarischen Autonomen Republik geborene Komponistin Sofia Gubaidulina gab beim Komponistenporträt des Rheingau Musik Festivals im Gespräch mit ihrem Biographen Michael Kurtz ebenso die politische Situation der Stalinzeit bezeichnende wie ganz persönliche Einblicke in ihr Musikdenken und ihren Werdegang. Fraglos galt in Gubaidulinas Kindheit Subjektivität, in sich hineinlauschen oder sich verlieren in Naturanschauung oder gar ein religiöser Bezug als politischer Widerstand, was schlimme Strafen zur Folge haben konnte.

Unterwegs mit ihrem landvermessenden Vater in den hügeligen Wolgaebenen fernab von Moskau, fand die musikalisch äußerst sensible Sofia indes alles drei: die Natur, sich selbst und Gott. Derart fest verankert, ließ sich die graue und stets vom Hungergefühl überschattete Kindheit einigermaßen durchstehen. Tatsächliche Rettung, wie es die sehr vital und in ständiger geistiger Auseinandersetzung wirkende Komponistin beschrieb, brachte ein altes Klavier, auf dem sie schnell Fortschritte machte. Beim sehr informativen Gespräch im Wiesbadener ESWE-Forum, Ort des ersten von zwei Konzertabenden, schilderte die jetzt bei Hamburg lebende Komponistin ebenso lebhaft, wie sie neben dem normalen Klavierunterricht auch diejenigen Klangfelder abhörte und -klopfte, die sich nicht über den Tastendruck erzeugen lassen. Etwa, wenn man mit den Fingern direkt auf den Saiten spielt.

Diese Eigenständigkeit behielt sie unbeirrt, vor allem, nachdem sie der Komponist Dmitri Schostakowitsch ermuntert hatte, ihren ‚falschen’ Weg weiterzugehen. Heute erweist er sich als der für sie, wenn auch steinige, so doch einzig gangbare Pfad. (...) Ihr buchstäbliches Festhalten an den Dingen, ihr Vertrauen aus das objektive Dasein, das letztlich in ihrer tiefen Religiosität wurzelt, davon gänzlich getragen wird, erwächst in ihrer Musik zum klingenden Glaubensbekenntnis (...)“