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Ein großes Konzertereignis: Sofia Gubaidulinas „Im Zeichen des Skorpions“

Im Auftrag des Rotterdams Philharmonisch Orkest und des Sinfonieorchesters des Schwedischen Rundfunks schrieb die Komponistin ihr jüngstes Werk „Im Zeichen des Skorpions“, Variationen über sechs Hexachorde für Bajan und großes Orchester, das am 10. Oktober 2003 in Stockholm durch das letztgenannte Orchester und Friedrich Lips (Bajan) zur Uraufführung gelangen wird. Die zweite Aufführung und gleichzeitig niederländische Erstaufführung findet am 6. November 2003 in Rotterdam statt. Es spielt das Rotterdams Philharmonisch Orkest. Zur Einführung schreibt die Komponistin:

„Von besonderer Faszination sind für mich all jene Instrumente, die es erlauben, den Übergang von einer Klangraumdimension in eine andere so zu vollziehen, dass auf Saite oder Klaviatur keine Veränderung der Fingerposition vorgenommen werden muss. Ein Terz-Flageolett wird bei einem Streichinstrument beispielsweise dadurch erzeugt, dass der Finger die Saite nur leicht berührt. Ersetzt man jedoch diese leichte Berührung durch ein expressives Vibrato, befindet man sich sofort in einer völlig anderen Klangwelt. Dabei bleibt der Finger unverändert an einer Stelle. Es ändert sich nur der Bezug zu diesem Punkt, der Grad der Berührung.

Auch beim Bajan gibt es die Möglichkeit, von einer Klangraumdimension in eine andere zu wechseln, wenn man vom Einzeltonmanual, wo jedem Knopf ein bestimmter Ton entspricht, zum Standardbassmanual umschaltet, wo jedem Knopf ein Akkord entspricht. Diese Besonderheit des Instrumentes machte ich mir beim Bajankonzert zu Nutze: Drei Melodietöne im Einzeltonmanual verwandeln sich hier beim Umschalten in fünf- bzw. siebenstimmige Akkord-Komplexe.

Doch am Wichtigsten war für mich beim Standardbassmanual eine andere Möglichkeit: Wenn man gleichzeitig zwei Knöpfe drückt, die einem Dur- und einem Molldreiklang entsprechen, und daraufhin die Hand allmählich, ohne die Fingerstellung zu verändern, nach oben oder nach unten über den gesamten Tonraum des Instrumentes verschiebt, so ergeben sich sechs unterschiedliche Hexachorde. Diese sechs Hexachorde verleihen der gesamten Komposition die strukturelle Begründung für Material und Form: Variationen über sechs Hexachorde - so der Untertitel des Werkes.

Der Titel des Bajankonzertes ‚Im Zeichen des Skorpions’ ergibt sich aus der Tatsache, dass dieses Werk einem der ernsthaftesten Musiker unserer Zeit gewidmet ist, dem Bajanisten Friedrich Lips, der im Sternzeichen des Skorpions geboren wurde. (Übrigens ist dies auch mein Sternzeichen.)“

Sofia Gubaidulina

(Übersetzung: Hans-Ulrich Duffek)