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Eine ehrliche Musik der Klage und Anklage – Presse zu Firssowas Requiem

Der Berliner Rundfunkchor und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin brachten am 6. September 2003 Jelena Firssowas Requiem für Sopran, Chor und Orchester auf Texte von Anna Achmatowa op. 100 im Berliner Konzerthaus zur deutschen Erstaufführung. Das RSO Berlin spielte unter der Leitung von Vassily Sinaiski, die Solistin war Claudia Barainsky (Sopran). Die Presse reagierte begeistert auf dieses Konzertereignis. Liesel Markowski schreibt in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ (Ausgabe 9.9.2003):

„(...) In Firssowas Tonsprache wird das Requiem zum intimen Denkmal vergangener Schrecken und zur mahnenden Botschaft in unserer Gegenwart. Die intensive Aufführung des einstündigen Werkes in der Originalsprache brachte dies bewegend nahe: Zumeist behutsam und leise geht es im klingenden Requiem zu, allerdings nicht ohne Ausbrüche ins Forte. Wie aus momentaner Erinnerung erwachsen Klage und Verzweiflung. Archaisch deklamatorischer Chorgesang in flirrenden Klangblöcken, fein schattiertes, oft kammermusikalisches Orchesterspiel und lyrisch expressive Gesangssoli lassen Stationen des Leidens eindringlich aufscheinen. Etwa lapidare Chöre zu ‚Leningrad’ (Heimatstadt und Ort der Verfolgung), zu den Teilen ‚Trauer’ oder ‚Hoffnung’, das zerbrechliche Sopransolo ‚Die Pappel’ (einzig lebende Zeugin des Grauens im Gefängnishof), die bissige Groteske ‚Gelber Mond’ und, sich an Ausstrahlung steigernd, bis zu ‚Urteil’ und ‚Schrei’, wo brutales Instrumentalgetöse zusammen mit den rufenden und flüsternden Chorstimmen aufgipfelt. Erschütternd die Klage ‚an den Tod’, ein Grabgesang, den Claudia Barainsky mit wunderschöner Sopranlyrik darbot. Sie faszinierte darüber hinaus in allen Teilen ihres dominierenden schwierigen Parts bis hin zum ausgedehnten ‚Epilog’, schließende Mahnung des Gedenkens, bei dem sie – vom Chor und Orchester dissonant grundiert – die letzten leisen Worte singt. Insgesamt eine ausgezeichnete Leistung aller Interpreten für diese ehrliche Musik der Klage und Anklage eines bemerkenswerten Werkes (...).“