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Kremer über sich und die Neue Musik seiner Heimat

Am Freitag, den 5. Dezember 2003, ist der Star-Geiger Gidon Kremer in Hamburg zu Gast. Um 20.00 Uhr tritt er im Großen Saal der Musikhalle mit seiner „Kremerata Baltica“ auf. Es erklingen Werke von Dmitri Schostakowitsch, Valentin Silwestrow und Alfred Schnittke. Joachim Mischke schreibt zu diesem Ereignis im Hamburger Abendblatt (Ausgabe 5.12.2003)

„Ein Musiker, der von der Stille als ‚Bestandteil des Lebens’ schwärmt. Ein weltweit gebuchter Geigen-Virtuose, der vielleicht mit gerade mal fünf von 100 Konzertauftritten zufrieden ist. Gidon Kremer fällt durch viele der Raster, mit denen sich die Konformisten der Klassik-Branche ihren Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht-Nimbus konservieren. ‚Ich will nicht nur Bequemes machen, ich will musikalischen Zielen folgen’, erklärt er sein Anderssein. Und das bedeutet beispielsweise, nicht ständig dieselben Schlachtrösser des Repertoires zu besteigen, um mit ihnen gut bezahlte Runden in der Klassik-Manege zu drehen. ‚Schöne Klänge können auch geschminkte Leichen sein’, zitiert er hintersinnig Komponistenfreund Alfred Schnittke. Lieber setzt Kremer auf vermeintliche Außenseiter, auf Widerspenstige und Unbequeme. ‚Ich würde dem Publikum empfehlen, sich der Neuen Musik nicht zu verschließen, weil es darunter auch die Schuberts und Schostakowitschs unserer Zeit gibt.’

So entstand auch die Idee, zwei Jahre vor Schostakowitschs 100. Geburtstag einen fünfteiligen Konzertzyklus zu entwerfen, der dessen Werke mit reflektierenden Arbeiten von Zeitgenossen kombiniert. Die Carnegie Hall in New York, das Wiener Konzerthaus und das in Dortmund, wo Kremer derzeit Artist in residence ist, hatten den Mumm, diese Abende komplett zu buchen, einer davon wird heute in der Musikhalle präsentiert. ‚Manche sind eben bereit, sich auf Abenteuer einzulassen oder sie mit mir zu verbinden’, kommentiert Kremer diese Situation. Er kennt das schon. Das Leichte hats leicht. Doch dafür ist er nicht zu haben. Gerade die Musik von Schostakowitsch beschäftige sich nicht nur mit der Oberfläche, ‚über die viele - Interpreten wie Publikum - gern surfen. Viele passen sich aus kommerziellen Gründen dem so genannten Durchschnittsgeschmack an. Dieser Zugang zur Musik ist mir einfach fremd, weil ich in meinem Beruf eine Möglichkeit sehe, über die Grenzen zu gehen und nicht nur in den Grenzen des Bekannten zu verweilen.“