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„Halb barock und halb heutig“: Monteverdi in Basel

Eine aufsehenerregende Premiere erlebte Claudio Monteverdis Oper „L’Incoronazione di Poppea“ in der Bearbeitung von Alan Curtis am 20. November 2003 am Theater Basel. Monteverdis letzte Oper ist vor mehr als 350 Jahren entstanden - und zeigt doch moderne Menschen mit all ihren positiven wie negativen Seiten, Menschen von heute mit ihren Leidenschaften und Abgründen, getrieben von Liebe, Eitelkeit und dem Willen zur Macht.

Poppea verfolgt nur ein Ziel: Sie will die Gattin Neros und damit Kaiserin werden. Skrupellos setzt sie ihre Schönheit ein und weiß Nero geschickt gegen den Philosophen Seneca aufzubringen, der ihren Machtwillen durchschaut. Die gedemütigte Kaiserin Ottavia sieht nur einen Ausweg, um den Aufstieg Poppeas aufzuhalten: Sie stiftet Ottone zum Mord an seiner untreuen Gattin Poppea an. Doch der Plan scheitert und liefert Nero stattdessen den ersehnten Anlass, die Kaiserin Ottavia offiziell zu verstoßen. Poppea hat ihr Ziel erreicht - sie wird Kaiserin. Musikdramatisch brilliant hat Monteverdi die tyrannische Hysterie des grausamen und gefährlichen Kaisers Nero sowie die Sinnlichkeit und Eitelkeit Poppeas eingefangen; spannend wie ein Krimi ist die Geschichte Busenellos, die noch dazu Komik und Tragik auf virtuose Weise vereint.

In der Basler Zeitung (22./23-11-2003) schreibt Sigfried Schibli zu diesem Opernereignis:

„... Die instrumentale Besetzung – der Komponist macht diesbezüglich nur karge Angaben – ist von einer bisher kaum gekannten Vielfalt. Im Zentrum steht das mit zehn Musikern bestückte Continuo, dessen Lauteninstrumente, Celli, und Tasteninstrumente ein farbig schillerndes Klangbild abgeben; man glaubt an dem mit Pausen fast vier Stunden währenden Opernabend kaum denselben Begleitklang zu hören. Bald dominiert die Harfe, bei der Krönung Poppeas und beim Gnadenakt des Kaisers Nero die Orgel; ein andermal steht der Glitzerton der Lauteninstrumente im Vordergrund. Geigen, Flöten und Posaune geben die Farbakzente zum blühenden Klanggrund (...) Kevin Short ist mit profundem Sarastro-Bass der Staatsphilosoph Seneca, der Countertenor William Purefoy sing nur anfänglich leicht instabil den Ottone. Gleich in mehreren Rollen brilliert die spielfreudige Agnieszka Budzinska. Witzig und sängerisch souverän ist die Verkörperung der kaiserlichen Amme durch Steve Dugardin, der wie aus einem Monty-Python-Film entlaufen wirkt. (...) Monteverdis Stück auf den Text von Busenello ist in keiner Weise der affirmativ-pompöse Barockopernschinken, als den man ihn wegen der prächtigen Musik missverstehen könnte. Es ist ein bitterböses Drama, schonungslose Analyse von Machtstreben und Treulosigkeit; das Bild einer Gesellschaft, in der Partnerschaften nach dem Opportunitätsprinzip gewechselt werden ...“