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„Chens Klänge sind Lebewesen“ – begeisterte Doppelbesprechung in Piano News 1/2004

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Piano News (1/04) rezensiert Manuel Rösler die beiden Neuerscheinungen „Diary I. Sieben Miniaturen für Klavier“ (Ed. Sikorski 8514) und „Diary II. Zwei Miniaturen für Klavier“ (Ed. Sikorski 8515) des chinesischen Komponisten Xiayong Chen. Dort heißt es u.a.:

„(...) Alle seine Werke haben als Ausgangspunkt oft nur ein scheinbar einfaches Klangereignis, das von kompositorischer Durchgestaltung noch unberührt scheint. Ein solches Klangereignis ist aber bereits Form. Für Chen ist der einzelne Klang kein beliebig disponibles, totes Element, das der Komponist einem vorher festgelegten Plan unterwirft, sondern gewissermaßen ein Lebewesen, das seine eigene Dynamik besitzt und eine kompositorische Reaktion herausfordert.

Die Musik von Xiayong Chen ist in gewisser Weise minimalistisch zu nennen: der Klang ist bereits Idee und Ausformung seiner selbst und bedarf keiner kompositorischen Verarbeitung – so scheint es. Der erste Tagebucheintrag, ‚Clockwork Chicken’, erinnert nicht nur vom Notenbild an ‚Volumina’ von Ligeti. Dessen Einfluss scheint sich auch im zweiten Stück dieses Bandes niederzuschlagen: ‚Conversation between e and f’ beschränkt sich tatsächlich nur auf diese beiden Töne. Doch wer hinter Chen lediglich den Einfluss seines großen Lehrers vermutet, dürfte nur einen Teil der Wahrheit treffen. Aufgewachsen im maoistischen China zur Zeit der Kulturrevolution, hat Chen die traditionelle europäische Musik, die nur mit einigen wenigen Werken zugänglich war, als etwas faszinierend Fremdartiges wahrgenommen. Aus dieser erzwungenen Distanz ist die Neugier zu verstehen, mit der Chen die Möglichkeiten der westlichen Musik erforscht und hier eine Geistesverwandtschaft mit seinem Lehrer György Ligeti gefunden hat.“