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Guy Livingstons Antheil-Einspielung zur CD des Doppelmonats gekürt

Die WERGO-Neuveröffentlichung (WERGO 6661 2) mit den sogenannten „lost sonatas“ von George Antheil, eingespielt von dem hervorragenden Pianisten Guy Livingston, wurde von den Kritikern des Fachmagazins „Piano News“ (1/04) zur Doppel-CD des Doppelmonats gekürt. In der Begründung heißt es u.a.:

„Der Titel von Guy Livingstons neuer, faszinierender CD ist verwirrend und streng genommen auch falsch. Die fünf angeblichen „Lost Sonatas“ von George Antheil waren nämlich weder verschollen noch jemals verloren gegangen. Sie waren einzig und allein schwer zugänglich, was zur Folge hatte, dass ein ganzer Stab von Musikwissenschaftlern, Lektoren und Rechtsnachfolgern über Jahrzehnte hinweg damit beschäftigt war, den Nachlass des neben Samuel Barber und John Cage gewiss interessantesten amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts zu sichten und zur Veröffentlichung vorzubereiten. Erst vor kurzem ist es dem aus Leverkusen stammenden Michael Rische gelungen, die Partitur eines frühen Klavierkonzertes von Antheil aufzuspüren und am 5. März 2001 in London zur Uraufführung zu bringen. Zu den Antheil-Rennern auf internationalen Konzertbühnen gehören zweifellos die „Jazz Symphony“ und das „Ballet mécanique“. Vielleicht wird dank Risches Engagement auch das raffinierte, überaus lebendige Klavierkonzert bald dazugehören.

Livingston nun hat sich Antheils Solo-Literatur zugewandt und fünf Sonaten zur Einspielung gebracht, die über den amerikanischen Verlag G. Schirmer zum Teil bereits als Druckausgaben zur Verfügung standen oder aber als Manuskriptkopie hätten bestellt werden können. Dies trifft vor allem für die 2. Klaviersonate, die sogenannte „Woman Sonata“, zu (Schirmer-Druckausgabe: GS 482088). Auf dem CD-Markt indessen sind diese Werke in solcher Vollständigkeit ein Novum. Die „Woman Sonata“, die dritte und die fünfte Klaviersonate sind Weltersteinspielungen. Exzellent interpretiert und überaus schwungvoll widmet sich Livingston den krausen und teilweise provokativen Stücken, die dem Jazz der Vorkriegszeit zutiefst verpflichtet sind. Er selbst sagt über Antheil: „In den 20er Jahren begeisterte und elektrisierte Antheil das europäische Publikum mit seiner ‚cineastischen’ Würzmischung aus Jazz und Ragtime, Süße und explosivem Krach. (...) Gegenrhythmen, hämmernde Ostinati, Klangtrauben, Verschmelzungstechniken, plötzliche Aneinanderreihung von Themen, Stilen und Dynamiken werden hier auf die Spitze getrieben.“ Das war schon zu Zeiten Antheils kein Mainstream-Jazz und keine leichte Klassik mehr. Livingston scheint sich – vielleicht noch radikaler als Michael Rische – die Radikalität dieser Musik vor Augen zu halten.“