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Eine großartige Imagination: Neumeiers „Nijinsky”-Ballett mit Schostakowitschs Musik in den USA

Wohin John Neumeier mit seiner weltberühmten Ballett-Compagnie auch reist, überall werden er und seine Tänzer gefeiert. Mit der großartigen Produktion „Nijinsky“, einer choreographischen Huldigung des russischen Tänzers, hat er erst vor kurzem die Spanier begeistert. Gegenwärtig ist das Ensemble auf Tournee in den Vereinigten Staaten. Monika Fabry (Hamburger Abendblatt, 24.02.2004) berichtet vom Jubel, der Produktion und Künstlern gleichermaßen entgegenschlug.

„New York - Standing Ovations, Bravorufe und ein für New Yorker Verhältnisse lang andauernder Beifall, das ist die triumphale Bilanz, die Hamburgs Ballettchef John Neumeier und seine Compagnie nach ihrem dreitägigen Gastspiel mit ‚Nijinsky’ im City Center ziehen können.

Mit höchsten Erwartungen und größter Anspannung war der Amerikaner Neumeier nach New York gekommen, um auf seiner dreiwöchigen Gastspielreise mit New York als zweiter Station ein Publikum zu ‚knacken’, das bisweilen schwer zu bewegen scheint, spontan Emotionen zu zeigen und lautstarken Beifall zu spenden. Selbst ein Placido Domingo wurde nur mit jenem höflichen Applaus an der Met bedacht, der Respekt zollt und den schnellstmöglichen Weggang aus dem Opernhaus sichert. Für deutsche Verhältnisse ist es ohnehin ungewohnt, den Mantel mit in den Zuschauerraum zu nehmen - im Winter eine ziemliche Katastrophe - und Anfangszeiten nicht einhalten zu müssen. Wer hier zu spät kommt, den bestraft nicht das Leben, er wird auch während der Vorstellung hereingelassen. In John Neumeiers Vorstellungen aber herrschte Disziplin und angespannte Stille, die sich am Ende für die fantastischen Tänzer und Neumeier in Standing Ovations löste.

Auf einem Empfang im Anschluss an die letzte Vorstellung, den der Präsident der Hapag-Lloyd Amerika, Rudy Mack, und seine Frau Maria gegeben hatten - sie hatten zudem hundert Karten für Angestellte der Hapag-Lloyd gekauft -, sprach Mack von John Neumeier als ‚Export-Hit’, der selbst die ‚Hardcore-Zuschauer’ im Sturm erobert habe. Neumeier selbst bedankte sich und gestand, dass seine Wünsche in Erfüllung gegangen seien, sein Ballett sei verstanden worden.

Auch den Tänzern schien eine große Last von der Seele genommen. Trotz der enormen Anstrengungen genossen sie das New Yorker Leben mit Shopping von Midtown bis Soho, sie sahen sich, ganz wie normale Touristen, Ground Zero an, der wie eine riesige Baustelle wirkt, und sie besuchten, unverwüstlich, Nachtbars. Erinnerungen frischte die Erste Solistin Heather Jurgensen auf, die ja im New York City Ballet getanzt hatte, bevor sie in John Neumeiers Compagnie kam. Vom Solisten Peter Dingle waren Eltern und Geschwister aus Toronto angereist, um ihren Sohn im City Center zu bewundern, die Mutter vom Ersten Solisten Lloyd Riggins, selbst ehemalige Tänzerin, kam aus Florida, um alle drei Vorstellungen zu sehen, während sich Riggins' Frau Niurka Moredo gleich von sechzehn Mitgliedern ihrer Familie aus Puerto Rico aufs Herzlichste buchstäblich überfallen sah. Auch Elizabeth Loscavio, Erste Solistin, ist Amerikanerin und mit New York bestens vertraut. Sie zeigte ihrem Freund Carsten Jung die Stadt.

(...) Gestern startete das Ballett zur dritten Etappe nach Washington.“