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Frankfurter Nachwuchsforum mit Schneiders „Lamentations“ ein Riesenerfolg!

Einen Riesenerfolg kann der junge Komponist Stephan Marc Schneider mit der Uraufführung seines Werkes „Lamentations“ für Countertenor und Steeldrums verbuchen, die das Ensemble Modern am 14. Februar 2004 in Frankfurt am Main zum Besten gab. Bernhard Uske schreibt dazu in der Frankfurter Rundschau (29.02.2004):

„Aus der Art geschlagen ist er nicht, der komponierende Nachwuchs, dem zum siebten Mal drei Tage lang in der Deutschen Ensemble Akademie in Frankfurt ein Forum geschaffen wurde. Die meisten der eingeladenen 18 Künstler sind auch nicht mehr ganz die Jüngsten, sondern bereits erfolgreich durch akademische Einrichtungen und Preisgerichtete gegangen. Wunderkinder werden so nicht gemacht - undenkbar, dass Schönberg oder Strawinsky, Cage oder Stockhausen staatlich geförderter Nachwuchs hätten sein können.

Immerhin wächst durch fürsorgliche Behütung auch die Möglichkeit, die ästhetischen Keimbahnen der Kompositionslehrstühle am Leben zu halten und die niedergelassenen künstlerischen Optionen zu klonen. Bei gut der Hälfte der Werke, derer sich das Ensemble Modern unter Leitung des höchst umsichtigen Wolfgang Lischke annahm, war ein kurzes akustisches "schau mir in die Augen Kleines" zur Identitätsfestellung absolut ausreichend, die kompogenetische Herkunft schnell und treffsicher erfasst und größere Unsicherheiten bei der Konzertdurchreiche ausgeschlossen.

Ein ruhiger, auf dem kleinen Grundriss von Besinnlich- und Beschaulichkeit eingerichteter Umgang mit Klängen war der vorherrschend gute Ton, sacht schwebende, frei assoziierte Geräusch- und Klangfolgen in zarter Dissonanz, die sich nach dem Verziehen des Rauchs des post-, zweit- und dekonstruktionsmodernen Feuerwerks als gemeinsamer Nenner der weitermachenden Klang-Avantgardisten erwiesen hat.

Olga Rajewa, die 1971 geborene Moskauerin versuchte es noch einmal etwas heftiger mit dem altbewährten Konzept des wilden Durcheinandersprechens irgendwelcher Schlagworte (...) Dann aber kam der 28-jährige Countertenor Daniel Gloger aufs Podium, flankiert von Rainer Römer und Rumi Ogawa, die Steeldrums vor sich aufgebaut hatten. „Lamentations“ lautete der Titel des Werks von Stephan Marc Schneider (34), was die Aussetzung des bis dahin vorwaltenden Konventionalklangs bedeutete. Die Karfreitagsresponsorien Thomas Tallis hatte der Karlsruher Komponist in Bruchstücken den großartigen Stimmlagen Glogers anvertraut und im Verein mit den immer leicht verrutschten Klangspektren der Blechrundungen zu einer Evokation gebracht, die das Avanciert-Immergleiche pikanterweise gerade mit kirchentonartlichen Dreiklangsschritten unterbrach.

Adorno, der den Braten schon in den 50er Jahren gerochen hatte, hätte sich amüsiert: Wenn einmal die Dissonanz vollständig guter Ton geworden ist, wird der erste Dreiklang wirken wie einst der Neuschnee des Atonalen. (...)“