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Detlef Gojowy über das Gladkowa-Buch: Galina Ustwolskaja als magische Kraft

Der Musikologe Detlef Gojowy hat in der Fachzeitschrift „Die Musikforschung“ (4/2003, S. 457/458) einen lesenswerten Beitrag über die beim Berliner Ernst Kuhn Verlag erschienene Ustwolskaja-Biographie von Olga Gladkowa veröffentlicht. Er schreibt dort u.a.:

‚Inoffiziell und im Westen unbekannt war und blieb die Musik dieser Schostakowitsch-Schülerin noch ein Jahrzehnt, so wie die ihrer gleichfalls von ihrem Komponistenverband behinderten Landsmännin Sofia Gubaidulina. Das bedeutet beide Male nicht, dass es sich nach einem westlichen Denkklischee um ‚Untergrundmusik’ gehandelt hätte – beide hatten an ordentlichen Lehranstalten ordentliche Studien absolviert, erfuhren durchaus offizielle Aufführungen und Drucklegungen und waren ordentliche Mitglieder des Komponistenverbandes – aber eben nur ordentliche und keine außerordentlichen, die das Privileg gehabt hätten, an die internationale Öffentlichkeit zu treten. So berichtet Olga Gladkova: ‚Ehrentitel wurden den Autoren, die nicht den ‚Führungskreisen’ nahe standen, im Komponistenverband nach dem Prinzip ‚Sie sind noch nicht an der Reihe’ verliehen. Dass man beabsichtigte, ihr den Titel ‚Verdienter Künstler Russlands’ zuzusprechen, teilte man Galina Ustwolskaja telefonisch mit. Doch es vergingen einige Jahre, bevor die Komponistin ganz zufällig erfuhr, dass ihr der Titel tatsächlich zugesprochen worden war.

(...)“ die Musikwissenschaft hat gleichwohl das Problem, das Werk Ustwolskajas in vertraute Kategorien einzuordnen, und so ist ein großer Teil von Äußerungen der Komponistin selbst wie auch der Interpretationen ihrer Biographin (notwendigen) Deklarationen gewidmet, was ihre Musik eben nicht sei: nicht sinfonisch, nicht kammermusikalisch (sondern irgendwo dazwischen), nicht religiös, obschon rituelle Vorgaben schließlich dazu führten, dass ihre 4. Sinfonie, Gebet, nie in der Sowjetunion, sondern 1988 in Heidelberg ihre Uraufführung erfuhr. So bleibt auch die Komponistin in der Anerkennung ihrer Interpreten und Aufführungsorte wählerisch: Reinbert de Leeuw, Mstislaw Rostropowitsch, Alexej Ljubimow und Frank Deniers finden ihre Gnade, nicht aber die ersten Schrittmacher ihrer Bekanntheit wie Olga und Josef Rissin oder Roswitha Sperber. (...) Ein problematisches Kapitel betrifft das Verhältnis zu ihrem Lehrer und was immer er ihr bedeutet haben mag. Schostakowitsch hat dieses Schülerin geschätzt und sogar zitiert, sich von ihr inspiriert erklärt und gegenüber Edison Denissow bekundet, ihren Hinauswurf aus dem Konservatorium in Auseinandersetzung mit seinen Kollegen verhindert zu haben. Galina Ustwolskaja weiß anders zu berichten und äußert sich nicht ohne Bitterkeit und Hass, spricht seiner Musik gar die Genialität ab.“

Bibliographische Hinweise:

Olga Gladkowa: Galina Ustwolskaja – Musik als magische Kraft. – Verlag Ernst Kuhn, Berlin, 2001