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Schöpfungsoratorium der Weltreligionen – über Krzysztof Meyer

Zur Expo 2000 erklang am 10. September 2000 in St. Michaelis zu Hildesheim die Uraufführung eines groß besetzten Oratoriums. Sein Titel „Schöpfung“ erinnerte am Joseph Haydn. Musikgebildete mochten auch an Wolfgang Fortners Solokantate „The Creation“ (1955) oder das Oratorium „Kosmogonia“ von Krzysztof Penderecki (1970) denken.

„Sich dem großen Thema 200 Jahre nach Haydns pittoresker Schöpfungsbeschreibung mit herkömmlichen Klangmitteln zu nähern“, sagt der Musikwissenschaftler Lutz Lesle, „zeugt vom Vertrauen eines Komponisten in die eigene Ästhetik und Satzkunst. Krzysztof Meyer hat es sich in vierzig Schaffensjahren erworben.“ Lesle hat in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Musik & Kirche“ einen lesenswerten Artikel über das Oratorium „Schöpfung“ veröffentlicht (Heft 3, Mai-Juni 2004, S. 166ff.) Er schreibt dort weiter:

„(...) Hätte er seinen ursprünglichen Gedanken einer Revue der fünf Weltreligionen verwirklichen können, wäre dem Librettisten vornehmlich die Rolle eines Arrangeurs religiöser Quellentexte zugefallen. Unter den gegebenen Bedingungen kam es nun darauf an, die Einheit in der unendlichen Vielfalt der Schöpfungsmythen aufzuspüren und die spirituelle Gemeinsamkeit der Weltreligionen poetisch zu feiern. So schuf Engelsberger einen Zyklus aus zehn Texteinheiten: gereimte und ungereimte Gedichte eigener Erfindung in unterschiedlichen Rhythmen, Vers- und Strophenformen, gespickt mit Assonanzen, Stab- und Binnenreimen. Dazu eine Nachdichtung des 8. Psalms und Zitate aus dem altindischen „Gesang des Erhabenen“ (Bhagavadgita), dem Johannes-Evangelium und dem Koran samt paraphrasiertem Sinnspruch Albert Schweitzers. (...) Beim Komponieren geht es Meyer grundsätzlich darum, den Hörer zu ‚führen’ und seine Aufnahmefähigkeit nicht zu überfordern. Erkennbarkeit und Wiedererkennbarkeit musikalischer Gestalten sind ihm oberstes Gebot. Selbst netzartige ‚Grauschleier’ sind motivgeprägt und präzise ausnotiert. (...) Ordnungsstiftend wirken in seiner Musik u.a. Klangzentren bzw. harmonische Achsen. Sie stechen freilich nicht immer klar hervor, weil an ihren Stammtönen Sekundintervalle ‚andocken’. Sie lassen die Achsenharmonik changieren. Bevorzugte Intervalle sind kleine Sekunde und Tritonus. (...)“