Komponistensuche

Suche nach Nachnamen

Detailsuche

Repertoiresuche

Katalogsuche

Das Kafka-Wochenende beim NDR: „ROTPETERS TRINKLIED“ von Jan Müller-Wieland

Kafkas Werke als Anregung und Vorlage für die Musik bedeutender Komponisten: Es ist die Frage, ob sich der Prager Autor, der Zeit seines Lebens eine eher obskure Existenz abseits der literarischen Öffentlichkeit führte, dies hätte träumen lassen. Aber schon seit den siebziger Jahren haben Kafka-Texte in der zeitgenössischen Musik Konjunktur. Die aphoristischen Beobachtungen Kafkas fanden erstmals in György Kurtágs „Kafka-Fragmenten“ von 1985/86 ihre kongeniale musikalische Umsetzung – vierzig Fragmente aus den Tagebüchern von Franz Kafka werden hier zu einem Mosaik hochexpressiver musikalischer Miniaturen verarbeitet. Für den israelischen Komponisten Gideon Lewensohn wiederum ist Franz Kafka der Gegenstand einer lebenslangen künstlerischen Auseinandersetzung – in seinem „Odradek Quartet“ komponiert er eine Vielzahl flüchtiger, anspielungsreicher Gesten, die an Kafkas skurrile Figur gleichen Namens gemahnen. Seit seinem Musiktheaterwerk „Das Schloss“ gilt auch der Komponist Aribert Reimann als ein Kafka-Kenner ganz eigener Art.

Für die Konzertreihe „Anbruch“ wird Reimann eine Auswahl von Liedvertonungen nach Texten von Kafka mit einer Meisterklasse des Schleswig-Holstein Musik Festivals einstudieren. Seine Studenten widmen sich u.a. vier Uraufführungen von Kafka-Liedern, die im Auftrag des NDR entstehen. Eine davon stammt von dem gebürtigen Hamburgeer Jan Müller-Wieland, der mittlerweile in Berlin lebt und zu den großen Hoffnungsträgern der Neuen-Musik-Szene, vor allem mit Blick auf seine Musiktheaterwerke, gilt. Der Komponist sagt über seien Kafka-Vertonung:

„In der Erzählung ‚Ein Bericht für eine Akademie’ berichtet ein Affe über seine Menschwerdung bzw. über seine Züchtigung und Züchtung zum Menschsein und zum angeblich Menschlichen. Er hat diese Verwandlung erfolgreich bestanden und steht dazu. Seine Seele und sein Geist hat er ebenso dem Tauschgeschäft Früher-Tier-jetzt-Mensch verkauft. Der Affe heißt Rotpeter und hat durch die Firma Hagenbeck bei seiner Gefangennahme nicht nur Schüsse in den äffischen Po erhalten, sondern auch literweise Rotwein in seinen Hals. Er singt trunken ‚mit dem glückseligen Heulen des Unverstandes’ (Kafka). Er singt sein Trinklied vom Jammer der Erde.“

Die Uraufführung findet am 28. August 2004 im Rolf Liebermann-Studio des NDR Hamburg im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festival statt.