Der erste Band der Prokofjew-Studien ist bei Ernst Kuhn, Berlin, erschienen
Seiner seit Jahren überaus erfolgreichen wissenschaftlichen Publikationsreihe „Schostakowitsch-Studien“ lässt der für die Musik Russlands besonders engagierte Berliner Verlag Ernst Kuhn nun die „Prokofjew-Studien“ folgen. Band 1 ist soeben entschieden und widmet sich dem Thema „Sergej Prokofjew in der Sowjetunion / Verstrickungen – Missverständnisse – Katastrophen“. Diesmal spiegelt das Konvolut an Beiträgen kein wirklich stattgefundenes Symposium wider, sondern versteht sich als „internationales Symposium“ in Buchform. Vereint finden sich Texte der Prokofjew-Spezialisten Gottfried Eberle („Reise nach „Bolschewien – Prokofjews Sowjetisches Tagebuch von 1927“) und Sigrid Neef („... allem widerstehen, was nicht Geist bedeutet“. Prokofjew und die Sowjetmacht), die sich im wesentlichen der Rezeption von Prokofjews Opern zuwendet. Aufschlussreich sind aber auch Maria Biesolds Blick auf das Klavierwerk des Komponisten und Walter Zidarics in französischer Sprache verfasster Artikel über „Semjon Kotko“.
„Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende des UdSSR“, kommentiert der Herausgeber, „ist es an der Zeit, sich vorurteilslos und ohne ideologische Polemik zahlreichen Detailfragen im Leben und Werk dieses großen Komponisten zuzuwenden. Seine für einen Künstler des 20. Jahrhunderts geradezu exemplarische Biographie und sein herausragendes, aber uneinheitliches Oeuvre bieten mancherlei Diskussionsstoff, der bislang angesichts der spärlichen Quellen kaum angemessen thematisiert werden konnte. Inzwischen hat sich die Situation grundlegend verändert, so dass heute die Edition einer Reihe von Bänden über Prokofjew gerechtfertigt scheint.“
„Sergej Prokofjew in der Sowjetunion / Verstrickungen – Missverständnisse, Katastrophen (Prokofjew-Studien, Band 1). – ssm 35 studia slavica musicologica. – Ernst Kuhn Verlag, Berlin, 2004. – ISBN 3-936637-01-6
