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Kritik zur Berliner Neuinzenierung „Lady Macbeth von Mzensk“

Am Sonntag, 21. November 2005, hatte die Neuinszenierung von Dmitri Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ von Hans Neuenfels an der Komischen Oper Berlin Premiere. Klaus Geitel schreibt dazu in der Tageszeitung „Die Welt“ (Ausgabe 23.11.2004):

„Diese ‚Lady Macbeth’ der Komischen Oper findet nicht in Minsk ihre blutige Heimat, sie spielt sich aufrüttelnd im Orchestergraben. Das Orchester ist Schostakowitschs Sprachrohr, und Vassily Sinaisky bedient sich seiner mit unerbittlicher und unermüdlicher Meisterschaft. Er läßt es schreien und flüstern, toben und jauchzen, zittern und drohen. Er kitzelt aus der Oper allen jungen Übermut Schostakowitschts heraus, seine Frechheiten wie seine Erschütterungen, sein Mitleid wie seinen Übermut. Das Orchester unter Sinaisky fletscht die Zähne und beißt zu. Es verbeißt sich in diese dramatische Spiellaune, das Imponiergehabe des komponierenden Twens, der Schostakowitsch damals noch war, seine Experimentierlust, sein Spiel mit der Spießigkeit und dem Bürgerschreck. (...)

Die Riesenrolle der Katarina, die kaum einen Augenblick von der Bühne kommt, hat sich Anne Bolstad aufgepackt: eine schmale junge Frau mit feiner, blonder Frisur und eher lyrischer Stimme. Sie zwingt sie hier, zumindest zu Beginn, andauernd ins Hochdramatische hinüber. Sie kämpft nicht allein um ihre sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung, sie kämpft mit den stimmlichen Herausforderungen der Partie, die ihr nicht im Hals liegt. Erst wenn es ans Sterben geht, findet Frau Bolstad die ihr angemessenen, anrührenden Töne.

Jürgen Müller singt den Macho, den Verführer, mit seinem Stahlrutentenor. Andreas Conrad gibt den braven, Gott ergebenen Ehemann, der wie das Schaf zur Schlachtbank geht und dabei auch noch singt. Christoph Späth macht aus der Torkelrolle des "Schäbigen" ein Kabinettstück. Klemens Slowioczek mischt seine prächtige Altersstimme in den Totenmarsch der Gefangenen auf der Wanderschaft. (...)“