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„Das Europäische in Schostakowitsch zeigen“ – Hans Neuenfels inszeniert „Lady Macbeth“ in Berlin

Am Sonntag, 21. November 2004, hat an der Komischen Oper Berlin Hans Neuenfels’ Neuinszenierung der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ von Dmitri Schostakowitsch Premiere. Der große Provokateur und Tabubrecher, wie ihn die Tageszeitung „Die Welt“ in ihrer Ausgabe vom 19. November bezeichnet, war zuletzt mit einer aufregenden Inszenierung von Beethovens „Fidelio“ an der Hamburgischen Staatsoper hervorgetreten. Nun also nimmt sich Neuenfels des großen Musikdramas von Schostakowitsch an, der Skandaloper, mit der eine Wende im Leben des Komponisten eintrat. Nach Stalins vernichtender Kritik über das Werk in der „Prawda“ und dem nachfolgenden Verbot nahm Schostakowitsch eine ambivalente Haltung zur Kulturpolitik und zum Sozialistischen Realismus ein.

Mit Hans Neuenfels sprach der Welt-Journalist Volker Blech:

Die Welt: Was muss man tun, um ein guter Skandalregisseur zu sein?

Hans Neuenfels: Skandale sind doch kein Vorhaben, sondern haben mit der Sache zu tun. Wenn ein Regisseur keine Haltung zur Gesellschaft und auch zu sich selbst hat, wird er nie einen Skandal haben. Hat er eine Meinung, kann es zu Reizungen beim Publikum führen. (...)

Die Welt: Was sind moralische Tabus?

Neuenfels: Beispielsweise jede Zurschaustellung von Sängern und Schauspielern im intimen Bereich, wenn keine theatralische Wandlung stattfindet. Wenn ich Nacktheit auf der Bühne hätte, dann müsste ich schon ganz genau wissen, wer sie verkörpert und warum sie im Stück nötig ist. (...)

Die Welt: Ihre „Lady Macbeth von Mzensk“ ...

Neuenfels: ... wird definitiv nicht nackt sein ...

Die Welt: ... aber vermutlich wieder Buh-Rufer aktivieren.

Neuenfels: Ich hoffe nicht. Es ist diesmal ein entsetzlich seriöses Unternehmen. Es geht um den Komponisten Schostakowitsch, der noch sehr im Milieu der russischen Komponisten befindlich ist. Es geht darum, das Europäische in ihm zu zeigen. Und ansonsten werde ich eine Fabel akribisch genau erzählen. Es geht um eine Frau, die lieben möchte und sich nicht realisieren kann.