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„Beinahe wie ein Fabrikarbeiter“ - Jakob Buhre sprach mit John Adams für „Crescendo“

John Adams, verlegt beim amerikanischen Verlag G. Schirmer und im deutschsprachigen Raum vertreten von den Sikorski Musikverlagen Hamburg, gehört zu den führenden Komponisten der Vereinigten Staaten. Derzeit arbeitet der Schöpfer der Orchesterwerke „Harmonielehre“, „The Chairman Dances“ und „Shaker Loops“ an einer neuen Oper mit dem Titel „Dr. Atomic“. Hier einige Textauszüge eines Gesprächs von Jakob Buhre mit John Adams (veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Crescendo“, S. 8):

Viele Komponisten führen ein sehr zurückgezogenes Leben, wie ist das mit Ihnen?

Adams: Nun, um als Komponist zu arbeiten, muss man über ein hohes Maß an Zeit verfügen, in der man alleine ist. Deshalb sind Komponisten auch häufig etwas komplizierte Persönlichkeiten, eben weil sie die ganze Zeit alleine sein müssen. (...) Mein Leben ist durchaus geteilt, in das Extrovertierte – wo ich zum Beispiel viel dirigiere – und das Introvertierte, wo ich dann fast wie ein Mönch leben, mit einem sehr disziplinierten Tagesablauf, beinahe wie ein Fabrikarbeiter.

Inwiefern hat bisher die Technologie Ihre Musik beeinflusst?

Adams: Ich denke, die Technologie hat die Art und Weise, wie ich komponiere, verändert und in gewisser Weise auch die Gestalt meiner Werke. Die Technik erlaubt mir verwegener zu sein, mehr wagen zu können – ich kann das Resultat ja immer sofort anhören.

Erfindet der Computer manchmal Melodien, die Ihnen selbst vielleicht nie eingefallen wären?

Adams: Nein, ich denke auch nicht, dass das so interessant wäre, einer Maschine die künstlerische Entscheidung zu überlassen. Die Maschine kann eine Idee anregen.

Sie sind einer der meistaufgeführten US-Komponisten. Was denken Sie, hat Sie so weit gebracht?

Adams: Ich glaube, das liegt daran, dass ich mich sehr intensiv mit dem großen Abgrund zwischen Komponist und Zuhörer beschäftige, der ungefähr seit Schönberg existiert. Natürlich gab es so eine Kluft nie in der populären Musik. Populärmusik basiert ja auf der Idee, dass das Publikum den Künstler liebt und der Künstler sein Publikum. (...) Ich selbst habe versucht, einen Werkkörper zu schaffen, der amerikanisch ist, der klassisch ist, der aber auch ein Lebensgefühl seiner Zeit in sich trägt.