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"Zwielicht" in Salzburg: ein neues Werk von Gija Kantscheli wird uraufgeführt

Das im Auftrag der Internationalen Stiftung Mozarteum entstandene Werk „Twilight“ für 2 Violinen, Streichorchester und Synthesizer des georgischen Komponisten Gija Kantscheli erlebt am 27. Januar 2005 in Salzburg mit Gidon Kremer, Thomas Zehetmair und der Kremerata Baltica seine Uraufführung.

Wir haben den Komponisten nach der Bedeutung des mystischen Werktitels befragt. Kantschelis Antwort:

„Wann immer ich von meinem Schreibtisch in Antwerpen, wo ich nun bereits seit zehn Jahren lebe und arbeite, aufblicke, fällt mein Blick auf einige ungewöhnlich schöne, turmhohe Pappeln. Je nach Jahreszeit verändern sie ihr Aussehen: Während sie gegen Ende des Sommers von einem dichten grünen ‚Teppich’ bedeckt sind, erscheinen darin gegen Ende des Herbstes, abgesehen von einer plötzlichen Farbenpracht, erste Lichtstreifen, die mit dem Herannahen des Winters allmählich breiter werden, so dass sich durch die kahlen Äste hindurch eine Perspektive abzuzeichnen beginnt, welche sich ins Unendliche verliert.

Nachdem ich soeben eine schwere Krankheit überstanden habe, rufen solche Wunder der Natur bei mir Vergleiche mit dem menschlichen Leben hervor. Normalerweise schenken wir unseren gesundheitlichen Problemen kaum Beachtung. Doch irgendwann werden wir plötzlich von einer ernsthaften Gefährdung heimgesucht, wenn unser Leben, bildlich ausgedrückt, am seidenen Faden hängt und nur das Zusammentreffen verschiedener Umstände uns das Weiterleben ermöglicht – obgleich, verglichen mit meinen Pappeln, nur vorübergehend. Solche Überlegungen waren es, die meiner Arbeit an dem Salzburger Auftragswerk vorausgingen, dem ich daher nicht ohne Grund den Titel „Twilight“ (Dämmerung, Zwielicht) gab.“