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Rolf auf Sylt – der Kinderlieder-Star erholt sich, hat aber eine Menge vor

Nach einer Meniskusoperation macht der Hamburger Liedermacher und Komponist Rolf Zuckowski zwei Wochen Pause auf der Nordseeinsel Sylt. Dort genießt er die Ruhe und hat eine Menge Arbeit: Derzeit textet und komponiert er neue Lieder für ein Erwachsenenalbum, schmiedet Pläne für seine Stiftung „Kinder brauchen Musik“, arbeitet an einem Orchesterprojekt und feilt an der Drehbuchfassung seines Musicals „Der kleine Tag“, das bald ins Kino kommen soll.

Hier einige Auszüge aus einem Gespräch, das Ruth Kastner für das Hamburger Abendblatt mit Rolf Zuckowski geführt hat. Derzeit beschäftigt den Komponisten ein Projekt mit der Radiophilharmonie Hannover. „Wir wollen Kindern den großen Klangkörper eines Symphonieorchesters näher bringen“, erzählt Zuckowski.

ABENDBLATT: In Hannover, nicht in Hamburg?

ZUCKOWSKI: Es wird vermutlich, weil es ein NDR-Orchester ist, später auch nach Hamburg kommen. Aber die Radiophilharmonie in Hannover ist auf mich zugekommen. Ich werde in den nächsten Tagen die Dialoge ausformulieren und Drehbuchanweisungen schreiben. Es wird ein Theaterstück mit Orchester. Drei Kinder machen als Zugvögel verkleidet eine Zwischenlandung im Orchester. Am 2. Juli ist die Uraufführung in Hannover, im September kommt der „Orchesterspaß für Ohrenspitzer“ als CD heraus.

ABENDBLATT: Sie geben am 12. März in Hamburg ein Benefizkonzert in der Color-Line-Arena für die Opfer der Tsunami-Welle. Wie ist die Idee entstanden?

ZUCKOWSKI: Mir ist es ergangen wie wohl allen. Diese Bitterkeit, die da Weihnachten plötzlich einzog. Wie das Leben familiär heil sein kann und andere so grausam jeglicher Lebensgrundlage beraubt werden. Für mich war das sehr schwer in Einklang zu bringen. Da gehen die Gedanken dahin, wie es wohl nach der akuten Not sein wird. Es müssen ganz neue Strukturen aufgebaut werden. Kinder, die keine Eltern mehr haben, und Menschen ohne Zuhause brauchen nicht nur Erste Hilfe in der Not, sondern eine Perspektive. Sie brauchen in ihrem Leben etwas, das nach übermorgen zeigt, ein Zuhause. So ein Heim zu schaffen ist für mich jetzt das größte Anliegen. Ich hoffe, daß es im Rahmen von „Hamburg hilft“ gelingt, vor Ort so etwas aufzubauen, und daß wir mit den Hamburger Kindern sagen können, das Geld dafür haben wir eingespielt.

ABENDBLATT: Der Erlös dieses Konzerts geht an Hamburg hilft?

ZUCKOWSKI: Ja, alle Einnahmen. Wir haben etwas geschafft, was ich so noch nicht erlebt habe: Sowohl die Color-Line-Arena bekommen wir in dieser Ausnahmesituation kostenlos, auch die Firma Acustic-Network, die mich auf der Tournee beschallt und beleuchtet, kommt aus Dortmund mit einem Riesentruck. Wir bezahlen keinen Pfennig für die Dienste rund um die Halle. Wir haben die Agentur Funke und die Vorverkaufsstellen, die alles umsonst machen. Mit dem Eintrittspreis von fünf Euro wollte ich jedem Kind die Möglichkeit geben, durch Verzicht aufs Taschengeld zu sagen, da geh' ich hin. Da ich selbst die fünf Euro als Signal sehe, möchte ich es noch verstärken, indem ich verdoppeln werde, was an Geld reinkommt.

ABENDBLATT: Wird Ihr Programm einen Bezug zum Anlaß haben?

ZUCKOWSKI: Ich habe einen Titel gewählt, der der Sache gerecht wird: „Mit dem Frühling kommt die Hoffnung". So wird es einerseits ein sehr frühlingshaftes Programm sein. Ich möchte den Kindern die Thematik so nahebringen, daß sie in ihrer kindlichen Lebensfreude gestärkt sind, daß sie aber auch die Brücke spüren zu Menschen, die weit weg sind.

ABENDBLATT: Warum haben Sie die Stiftung „Kinder brauchen Musik“ gegründet?

ZUCKOWSKI: Das Wort „brauchen“ ist der Schlüssel. Nach vielen Jahren als Musiker in unmittelbarer Nähe zu Kindern kann ich das so sagen: Kinder brauchen Musik. Kinder, die früh die Chance haben, intensiv Musik zu machen, denen geht es in vielerlei Hinsicht besser - und den Menschen um sie herum auch. Kinder, die Musik machen - sei es singen, ein Instrument lernen, tanzen, Musiktheater spielen - tun das selten allein. Sie müssen auf andere Rücksicht nehmen. In Bezug auf die Gruppe und die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder ist Musizieren ein Segen. Kinder, die in der Pubertät musizieren, kommen mit sich selbst besser zurecht. Sie sind auch rebellisch, aber die Musik bringt sie zu konstruktiveren Erlebnissen, und sie können ihre Gefühle, ihre Gedanken, ihre Wut und Trauer in Musik ausdrücken und kanalisieren. Ich glaube auch, daß Menschen, die über Musik das Schwingen ihrer Seele spüren, dies auch bei anderen erwarten. Musik vermittelt Kindern ein tiefes Gefühl von Mitmenschlichkeit.

ABENDBLATT: Zurück zu Ihren Projekten, was steht konkret an?

ZUCKOWSKI: Mein neues Album für Erwachsene wird im September herauskommen. Ich will damit einen Monat auf Tour gehen und möchte es auf Ausflugsschiffen vorstellen, wie sie im Hamburger Hafen fahren. Ich stelle mir so ein kleines Event an mehreren Orten vor. Wir legen ab, ich spiele die neuen Lieder in kleiner Besetzung, wir trinken ein Gläschen, essen eine Kleinigkeit. Sehr ernsthaft arbeite ich auch daran, unser Musical „Der kleine Tag“ ins Kino zu bringen. Die Verhandlungen mit einer Produktionsfirma sind voll im Gang. Ein Regisseur ist gefunden, um das Drehbuch ringen wir noch. Das dauert wohl noch ein halbes Jahr.

Das Interview ist am 16. Februar 2005 im Hamburger Abendblatt erschienen.