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Ruzicka tritt seine Stiftungsprofessur in Mainz an

Am 3. Mai tritt der Komponist, Musikmanager und Intendant Peter Ruzicka die Stiftungsprofessur der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität an. Gisela Kirschstein vom Deutschen Depeschendienst berichtet über die Bedeutung die Bedeutung dieser Position und die Vorhaben Ruzickas:

„Nach Vorgängern wie den früheren Bundesministern Hans-Dietrich Genscher und Klaus Töpfer, nach Themen wie Weltordnung, Biowissenschaft und Umweltpolitik wagen sich die «Freunde der Universität Mainz» nun erstmals an den Bereich der modernen Kunst heran: Mit Ruzicka erwartet die Zuhörer eine Vorlesungsreihe über den «Aufbruch in eine neue Moderne».

Ruzicka ist der sechste Stiftungsprofessor in Mainz. Der 56-jährige promovierte Jurist gilt als einer der bedeutendsten deutschen Komponisten unserer Zeit. Seit 1996 ist er künstlerischer Leiter der Münchner Biennale für neues Musiktheater, seit 2001 und noch bis 2006 leitet er als Intendant die Salzburger Festspiele. Seit 15 Jahren ist er zudem Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Nach Mainz kam Ruzicka bereits 2003 zur Aufführung seiner Oper «Celan» unter Gottfried Pilz am Staatstheater.

Am Sonntag wird Ruzicka zum Antritt seiner Stiftungsprofessur im Mainzer Rathaus empfangen. Vom 3. Mai bis zum 5. Juli will er dann an der Universität die Frage stellen, ob es einen Aufbruch in eine «Zweite Moderne» gibt, wie sie der Soziologe Ulrich Beck postuliert.

Die theoretische Diskussion rührt an den Grundlagen: Es geht um nichts weniger als die Frage, ob unsere Gesellschaft in Beliebigkeit und Richtungslosigkeit versinkt - oder ob es eine neue Gegenbewegung zu mehr Zielgerichtetheit und konkret postulierten Werten gibt. «Es geht um einen Paradigmenwechsel, um eine Reaktion auf die Postmoderne», betont Ruzicka im ddp-Gespräch. Der Wechsel manifestiere sich bereits in der Architektur und der bildenden Kunst.

Als Beispiel nennt Ruzicka die neue jüdische Gedenkstätte in Berlin oder die neuen Bauten auf Ground Zero in New York durch Daniel Liebeskind. Diese umfassten den bautechnischen Stand, seien zugleich funktional und zeigten eine «seltene Ausgereiftheit und Schlüssigkeit», die in die Zukunft weise, sagt Ruzicka. Das sei eine «Absetzbewegung» von der Postmoderne, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Moderne des 20. Jahrhunderts durch eine Abwendung von Dogmen und Regeln hin zu offenen Formen von Kunst, dem spielerischen Umgang mit Traditionen und einem Gefühl der Unbestimmbarkeit ablöste. Kritiker wie der Soziologe Beck sehen darin eine «Beliebigkeit von Zeichen und Chiffren», die vor allem Richtungslosigkeit geschaffen habe.

Nun gebe es ein neues Nachdenken über Fortschritt und die Zielgerichtetheit von Vorstellungen, sagt Ruzicka weiter. Auch der neue Papst Benedikt XVI. habe mit seiner Kritik des Relativismus wohl «etwas Ähnliches gemeint»: «Wenn er weg will von dem Relativismus, der Zerspaltenheit und der Richtungslosigkeit - das wäre ein verwandter Gedanke.»

Genau diese «These» vom Übergang in eine neue Form von Moderne will Ruzicka ab 3. Mai zur Diskussion stellen. «Ich bin sehr dankbar für diese Gelegenheit, weil es eine Reflexion gestattet darüber, wo wir sind, wohin wir wollen - also die philosophischen Grundfragen zu stellen», sagt Ruzicka. Das «kritische Überdenken der eigenen Positionen» soll zudem einhergehen mit einem «Dialog mit einem nicht spezialisierten Publikum», betont der Künstler. «Wir hoffen auf diesen Dialog, auch auf Kritik nach den Vorträgen», schließlich laufe die Kunst «sonst Gefahr, in ihrem eigenen Raum zu schmoren».