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Tan Dun’s Oper „Tea“ im Staatstheater Oldenburg erstaufgeführt

Am 29. April 2005 erlebte Tan Duns Oper „Tea: A Mirror of Soul“ am Staatstheater Oldenburg ihre deutsche Erstaufführung. Das Werk des chinesisch-amerikanischen Komponisten ist zugleich bei der Deutschen Grammophon als DVD zur Veröffentlichung gelangt. Tan Dun selbst leitet hier das NHK Symphony Orchestra.

Zur Oldenburger Produktion der 2002 in Tokyo uraufgeführten Oper schreibt die Nordwest Zeitung:

„Im Orchestergraben grummeln die Bässe zu Beginn pianissimo wie im ‚Rheingold’. Ein geheimnisvoller Klang bekommt Kontur, Perkussionsinstrumente gesellen sich ebenso hinzu wie Naturinstrumente. Der erste Akt der Oper „Tea“ des chinesischen, in New York lebenden Komponisten und ‚Oscar’-Preisträgers Tan Dun (‚Tiger & Dragon’) trägt die Überschrift ‚Wasser’, die beiden folgenden ‚Papier’ und ‚Keramik, Stein’. Aus diesen Materialien gewinnt Tan Dun eine asiatische Farbe, die sich in den Orchesterklang nahtlos einfügt.

Das Wasser befindet sich in mehreren großen Becken und wird geschlagen und gequirlt, Papier flattert und wird zerrissen. Zischlaute, das Wiederholen der Endkonsonanten und das bewusste Anschleifen von Tönen sorgen zusätzlich für fremdartiges Kolorit. Ansonsten aber bewegt sich Dun mit seiner Musik fest auf ‚europäischem’ Boden. Puccini, Menotti und Debussy lassen grüßen.

Eric Solén und das Oldenburgische Staatsorchester haben sich bei dieser deutschen Erstaufführung mit bemerkenswerter Intensität und klanglicher Farbigkeit in die Musiksprache des Komponisten eingefunden. Eine märchenhafte Handlung (China im neunten Jahrhundert) rund um die Philosophie der alten chinesischen Teezeremonie verknüpft Aktion und Meditation, Liebesschicksal und Machtkampf.

Prinzessin Lan steht zwischen ihrem Bruder und ihrem Geliebten Seikyo. Diese streiten sich erbittert um das „Buch des Tees“, in welchem die Geheimnisse um Teegenuss und Philosophie aufgeschrieben sind. Am Ende kommt es zwischen beiden zum Kampf, dessen Opfer bei einem Schlichtungsversuch Lan wird. Seikyo verzichtet auf Rache und geht ins Kloster.

Regisseurin Anke Hoffmann hat diese tragische chinesische Liebesgeschichte beeindruckend in Szene gesetzt. Die meditative Kloster-Stimmung in der ersten Szene (die Handlung wird als Rückblick erzählt) mit den Gesängen der Mönche steht in reizvollem Kontrast zum Hofstaat des Kaisers, wo ein großzügiger Thronsaal und prachtvolle Kostüme in Rot und Schwarz (Ausstattung: Heike Scheele) für opulente Optik sorgen.

Das Hofzeremoniell hat Hoffmann teilweise in strenger, aber wirkungsvoller Statik inszeniert. Die Liebesszene des zweiten Aktes – getragen von einem schönen, geradezu schwelgerischen Duett – hat rituellen Charakter, atmet aber auch den Duft einer lauen Sommernacht. Und im Schlussakt gibt es Dramatisches voll lodernder Leidenschaft, so als befänden wir uns im „Bajazzo“. Auch musikalisch gehört die Szene zu den packendsten Momenten der Oper: Lan stirbt einen ähnlich herzzerreißenden Tod wie Puccinis Liu.

Irina Wischnizkaja gestaltet ihre Partie mit virtuosem Belcanto, mit glockenreiner Höhe und viel Emotion. Der „Gute“ ist hier zur Abwechslung mal der Bariton, während der Tenor den finsteren Prinzen mimen muss. Paul Brady überzeugt als edler Seikyo mit markantem Bariton und aristokratischer Ausstrahlung. Thomas W. Kuckler gibt mit etwas unter Druck, aber kraftvoll geführtem Tenor den hitzköpfigen Prinzen, Juri Batukow mit sonorem Bass den um seine Tochter trauernden Kaiser. Alexia Basile ist als Ritualmeisterin Lu eine stimmschöne Hüterin der tiefen Weisheiten.

Die Premiere im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters wurde vom Publikum begeistert aufgenommen.“

(Nordwest Zeitung, 2.5.05)